Die 3 Schlüssel zur Weiterentwicklung

  • von Lennart Prange

thumb-weiterentwicklung Wie kann man sich als Webdesigner weiterentwickeln? Vielen von euch kommen sicherlich Bücher und (hoffentlich auch meine) Blogbeiträge in den Sinn. Vielleicht auch Seminare oder Magazine. Das ist alles richtig, aber es gibt noch andere Möglichkeiten.

Ich schildere in diesem Beitrag, wie man seine Fähigkeiten meiner Meinung nach sehr gut weiterentwickelt. Es geht einfach mal wieder darum, seine Einstellung vielleicht etwas zu verändern.

Ich freue mich sehr darauf zu lesen, was ihr dazu sagt und habe deswegen die Kommentarfunktion geöffnet 😉 Viel Spaß mit dem Beitrag.

P.S. Ich weiß, es ist viel Text. Bitte lasst euch nicht zu sehr abschrecken. Versucht es wenigstens 😉

Seid aufgeschlossen

Ich arbeite momentan an einem Projekt, bei dem ich alle Freiheiten habe. Ich bin auch Mitwirkender und für die Internetpräsenz verantwortlich.
Jedenfalls entsteht die Seite, wie sollte es auch anders sein, auf der Basis von WordPress. Dazu muss man sagen, dass ich wirklich kein Programmierer bin. Ich komme gut mit xHTML/CSS klar, aber bei PHP ist dann Schluss. Ich habe kein Buch gelesen oder mich durch die vielen Tutorials im Internet gequält. Trotzdem war es nie ein Problem, ein einfaches Blog mit ein paar kleinen Extras umzusetzen. Dafür gibt es genügend Tutorials und auch wenn man nur eine Liste der Template Tags hat, lässt sich das meiste ohne große Schwierigkeiten machen.

Bei dem bereits erwähnten Projekt stand ich aber vor ein paar Hürden, die für einen nicht Programmierer ziemlich unüberwindbar schienen. Thumbnails ohne Custom Fields, eine Jobbörse, einen Terminkalender, Related Posts mit Thumbnails ohne Custom Fields waren nur ein paar der Dinge, die ich nie ohne Plug-Ins gemacht hatte.

Der Weg gabelte sich hier: Ich konnte befreundete Programmierer anrufen, Plug-Ins nehmen oder mich selber an die Arbeit machen. Ich entschied mich für letzteres. Ich habe das gesamte Theme umgesetzt. Jetzt nimmt sich WordPress automatisch das erste Bild aus einem Beitrag, verkleinert es und schneidet es dann noch, damit keine Proportionen versaut werden. Danach wird es schön in der gewünschten Größe auf der Startseite ausgegeben.

Für den Terminkalender habe ich ein Plug-In genommen. Blöd, dass ein Plug-In fast nie genauso ist, wie man es haben möchte. Deswegen habe ich mich damit beschäftigt und gelernt, an welchen Schrauben ich drehen muss.

Das habe ich natürlich nicht alles selber geschrieben. Viel mehr habe ich mir Code Schnipsel aus dem Internet gesucht und zusammengesetzt.

Das hat mich alles viel Zeit gekostet. Was habe ich davon?

  • Ich habe den Code für später.
  • Zweitens lerne ich so mit dem Code umzugehen. Ich weiß, wo ich etwas verändern muss, damit das Ergebnis anders ist. Ich weiß, wann ich einen Fatal Error erzeuge. Jetzt kann ich nicht nur den Code stumpf von einem zum nächsten Theme kopieren sondern ihn auch verändern.
  • Das Gute ist auch: Wenn ich mich mit einem Problem beschäftige, lerne ich nicht nur dieses zu beheben und zu verstehen. Ich lerne auch WordPress besser kennen und ich lerne ein wenig PHP. Ich kann mein Wissen auf andere Probleme übertragen.
  • Wenn ich das nächste Mal einen Kalender machen muss, kann ich das Plug-In ohne Probleme an die Bedürfnisse des Kunden anpassen.
  • Was für mich außerdem entscheidend ist: Ich lerne immer besser, was möglich ist und welchen Aufwand es kostet. Das verschafft mir wesentliche Vorteile bei der Kalkulation und es eröffnet ganz neue Möglichkeiten in Sachen Gestaltung. Ich weiß, dass ich viele Dinge lösen kann und brauche mir bei der Planung keine Gedanken mehr darum machen, was für mich unlösbar ist und deswegen weggelassen werden muss.

Jeder, der sein Netzwerk schon bei einem kleinen Problem fragt und sich nicht selber ein wenig mit dem Code beschäftigt, hat diese Vorteile nicht.

Also: Wenn ihr in einer Mathestunde sitzt, schreibt nicht stumpf vom Nachbarn ab. Lasst euch lieber gleich von ihm erklären, warum es so ist. Oder erarbeitet die Lösung selbst. Wenn ihr das nächste Mal den Code aus einem Tutorial rauskopiert solltet ihr euch die Erklärung durchlesen und verstehen. Das kostet zwar alles Zeit, aber diese Zeit ist wirklich gut investiert. Denn eure Möglichkeiten steigen mit dem Wissen. Und wenn ich jetzt eine Jobbörse umsetzen müsste, würde es nur noch einen Bruchteil der Zeit in Anspruch nehmen. Auch mit erheblichen Veränderungen.

Nehmt nicht immer die erste Lösung

Ich erläutere das mal an dem Thumbnail Problem. Was kommt den meisten Leuten als erstes in den Sinn, wenn sie an Thumbnails und WordPress denken? Custom Fields. Oder ein Plug-In. Beides wollte ich nicht. Ich bin extrem genervt von Custom Fields für Thumbnails. Man muss immer das Bild, welches meistens eine verkleinerte Version eines bereits vorhandenen Bilds ist, verkleinern und das Custom Field ausfüllen. Zwei Arbeitsschritte, die man sich meiner Meinung nach sparen sollte. Das macht das Theme auch benutzerfreundlicher. Also habe ich nach einer anderen Lösung gesucht. Wie meine Thumbnails nun generiert werden, habe ich bereits oben geschrieben.

Wieder etwas, was meine WordPress Arbeiten meiner Meinung nach deutlich verbessert und auch für Kunden viel angenehmer macht.

Ein wesentlicher Bestandteil von Weiterentwicklung ist die Suche nach Alternativen. Auch wenn ein System funktioniert, heißt das nicht, dass man es nicht noch optimieren könnte. Wenn alle nach dem Grundsatz „Never Change a running System“ agieren würden, würde unsere Welt still stehen.

Macht private Projekte

Das Problem bei den oben genannten Methoden sind die Deadlines. Man muss klar sagen, dass Kunden normalerweise nicht bereit sind, die Deadline nach hinten zu verschieben, nur weil der Webdesigner sich weiterentwickeln will. Der Ausweg aus dieser Misere sind eigene Projekte.

Eigene Projekte müssen nicht immer wertvolle Zeit vergeuden. Wenn man es schlau anstellt, kann man damit auch gutes Geld verdienen. Wenn ihr zum Beispiel ein WordPress Theme entwickelt könnt ihr es online verkaufen. Dabei habt ihr keine Deadline und könnt euch austoben.

Oder ihr lasst euch bei dem nächsten Redesign ein wenig mehr Zeit. Es lohnt sich.

Wenn das Projekt, an dem ich gerade arbeite, sein Ziel verfehlt und keinerlei Einkommen generiert, habe ich wenigstens viel dazu gelernt und nehme etwas mit. Weiterhin ist zu sagen, dass es viel mehr Spaß macht, wenn man selber Lösungen findet und sich entwickelt.

13 Kommentare

  1. Olli
    20. Oktober 2009 um 13:02 Uhr

    Der letzte Absatz „Macht private Projekte“ ist sehr empfehlenswert. Ich tobe mich derzeit auch an einem WP Theme aus, welches ich kontinuierlich verbessere und noch nicht online verwende. An dem Theme bastel ich momentan schon mehr als 4 Monate und es ist kein Land in Sicht 🙂 Dafür habe ich die Erfahrungen schon in andere eigene Projekte und Kundenprojekte übernehmen können.

    Schöne Grüße
    Olli

    PS: Schöner Artikel!

  2. René
    20. Oktober 2009 um 13:21 Uhr

    DoItYourself ist imho noch immer der beste Bildungsweg!

  3. MacFriesenjung
    20. Oktober 2009 um 13:22 Uhr

    Das ist echt eine Hilfe da ich derzeit auch dabei bin einiges umzustellen, anzupassen und zu optimieren, konntest du mich doch in meiner Meinung bestätigen. Leider geht es mir auch so php kann ich nicht.
    Wichtig ist immer sich umzuschauen wielleicht hat ja jemand schon mal das umgesetzt was man erreichen will oder man hat es auch schon mal irgendwo gesehen.
    Da ich derzeit auf der Suche nach nem neuen Design bin surf ich wie wild durch Blogs und hab viel interessantes gesehen auch viel was ich auf keinen Fall will.

  4. Ben
    20. Oktober 2009 um 17:15 Uhr

    Ich kann dem nur zustimmen. Das Foto ist allerdings ein Fall für Niggemeiers Ecke der „schönsten Symbolfotos“ 😉

  5. wario von digital-workshop.at
    20. Oktober 2009 um 17:48 Uhr

    Aber ein wenig Grundwissen sollte man schon in PHP haben wenn man mit WordPress herumspielt.
    Ich hab mir selber PHP beigebracht und es erleichtert das Code lesen enorm wenn man weiß was dort steht 😉
    PHP und Mysql für Kids kann ich jedem empfehlen.
    Ist zwar für Kinder geschrieben aber nicht weniger gut wie andere Bücher.

  6. Marjeta
    21. Oktober 2009 um 07:52 Uhr

    Hallo, mir geht es da wie Dir. Ich designe gerne, kann auch programmieren, allerdings bei PHP Advanced hole ich mir lieber Hilfe.

    ABER bei WordPress kann man sich so schön austoben und auch so wunderbar weiterentwickeln und dazulernen.

    Man muss nur etwas Lust und Geduld mitbringen. Es lohnt sich auf alle Fälle, für spätere Projekte, sich da rein zu knien.

    Viele Grüße aus München
    Marjeta Prah-Moses

  7. Jean Marie
    22. Oktober 2009 um 08:50 Uhr

    Sehr gute Einstellung. Learning by doing ist immer noch der beste Weg, sich einem neuen Thema zu nähern. Und da PHP relativ handzahm ist, stellen sich die nächsten Lernfortschritte schnell ein. Also, dran bleiben.

    Gruß,
    Jean Marie

  8. der zauberer
    5. November 2009 um 01:49 Uhr

    das ist mal wieder ein schöner Beitrag und mich würde jetzt interessieren wie du die Lösung mit den Thumbnails hinbekommen hast und welches Kalenderplugin es ist, ich hoffe ich habe es nicht gerade überlesen, ich gestehe der Text war lang 🙂
    und dann wäre noch meine Frage mit welchem Tool (es muss ja nicht immer ein plugin sein) du diese social bookmarks unter related posts umgesetzt hast …

    für die related posts habe ich eine schöne Lösung bei bueltge.de gefunden und habe auch kein plugin mehr dafür im einsatz.

    Grüße V.

  9. xea-design
    5. November 2009 um 18:09 Uhr

    Als wir während der Ausbildung mit HTML und CSS angefangen haben, haben auch alle nur stumpf den Code aus dem Buch und von der Leinwand abgetippt. Doch beim ersten eigenständigen Projekt (Wir sollten ein Design für CSSZenGarden entwerfen und umsetzen) wusste keiner mehr, wie was geht, obwohl wir das alles schon im Unterricht gemacht haben. Daran sieht man wohl ganz gut, dass man sich damit auch beschäftigen muss.

    Sehr guter Artikel! Ich glaube, ich werd mich mal an ein WP-Theme oder Widget oder ähnliches setzen. 🙂

  10. Daniel
    13. November 2009 um 18:23 Uhr

    teilweise mögest du ja rechthaben , ich denke aber auch das du dir mit einem buch das beste wissen aneignest

  11. Andreas, Trier
    1. Februar 2010 um 04:30 Uhr

    Dein Aufruf zu „macht eigene Projekte“ und traut Euch ran an die Sachen, fand ich richtig klasse. Er beschreibt genau, die Eigenheiten eines „täglichen Daseins“ als Webdesigner und gibt einfach Mut. Das werden einige hier nicht gerne hören, aber „andere kochen auch nur mit Wasser“! Ich als Wirtschaftsinformatiiker lernet Pascal und C++. PHP ist mir bis heute verhasst und ich verstehe es auch nicht ganz. aber: man kann es einseitzen. ohne die „Schnallung“ davon zu haben, und man sollte sich einfach nur rantrauen. Besser als nix zu machen!
    Gruss aus Trier
    Andreas

  12. k²bytes
    10. Februar 2010 um 11:49 Uhr

    Ich finde private Projekte immer wichtig um seine Fachkompetenzen zu erweitern und Fachwissen zu vertiefen. In privaten Projekten hat man auch nicht den Zeitdruck und kann sich seinen Vorlieben widmen. Allerdings umgeht man auch gerne Arbeiten, die weniger interessant sind oder man schließt das eigene Projekt nie ab, da dass Interesse verloren geht.
    Deshalb private Projekte auch immer mit dem Ziel umsetzen, damit später einmal Geld zu verdienen. Ebenso ist es immer wichtig, eigene Projekte von anderen bewerten zu lassen.

  13. Christian
    22. Februar 2010 um 15:32 Uhr

    Stimmt, Learning by doing ist auf alle Fälle die effektivste Form sich Wissen anzueignen, denn nur so merkt man es sich auch. Andernfalls, hört man es zwar einmal aber wie man so schön sagt – aus dem Auge aus dem Sinn. Deshalb finde ich auch, dass zB Private Projekte enorm helfen.