Die Zukunft der Webdesign-Branche

Webdesigner werden bald nicht mehr so arbeiten, wie sie es heute tun. Die Branche verändert sich.

  • von Lennart Prange

Wie wird die Webdesign-Branche sich verändern? Die Vorhersage der Zukunft ist eine höchst komplizierte Angelegenheit, trotzdem möchte ich mich daran versuchen. Ich werde in diesem Artikel meine Einschätzungen begründet darlegen.

Je früher man weiß (oder mit einiger Sicherheit vorhersagen kann), wie sich der Sektor, in dem man arbeitet, in der Zukunft entwickeln wird, umso früher kann man sich auch anpassen. Man wird aktiv bevor die Veränderung eingetreten ist und ist seinen Wettbewerbern einen Schritt voraus.

Natürlich bin ich nicht unfehlbar und deshalb seid ihr selbstverständlich eingeladen, meine Meinung zu diskutieren.

Professionalisierung

Wer will Webdesigner werden?

Heute ist jeder willkommen. Man kann sofort anfangen, die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt und es gibt keine Ausbildung ausschließlich für Webdesigner (außer vielleicht bei privaten Hochschulen?!). Das Internet ist die Branche der Quereinsteiger und Autodidakten.

Noch.

Viele Unternehmen unterschätzen das Internet als Marketinginstrument, ich selber sehe aber sogar bei kleinen Unternehmen einen Sinneswandel. Selbst lokale Friseure denken schon über Internetmarketing nach, machen sich Gedanken um eine professionelle Internetpräsenz und eine Seite auf Facebook. Langsam aber sicher lernen sie die Materie kennen und wollen auf den Zug mit aufspringen. Die Marketingbemühungen der Firmen werden sich immer weiter ins Internet verschieben und mit ihnen der Marketingetat. Sobald mehr gezahlt wird und auch der Letzte die Möglichkeiten des Internets erkannt hat, wird die Nachfrage nach qualitativ hochwertiger Arbeit in die Höhe schnellen. Der Preis wird in seiner Position als wichtigstes Kriterium für Kunden geschwächt und die Qualität kommt als Faktor hinzu. Wenn das geschieht, wird die Spreu vom Weizen getrennt und der Markt wird aufgeräumt. Auch dann wird die Branche bestimmt nicht von allen schwarzen Schafen bereinigt sein, es wird aber wesentlich weniger Webdesigner geben, die schlechte Arbeit verkaufen können.

Kunden werden Webdesigner beauftragen, die viel Erfahrung haben und exzellente Referenzen vorweisen können. Eventuell werden sie sich Berater ins Boot holen, die Qualität erkennen und Ausschau nach geeigneten Webdesignern halten.

Mittelfristig wird sich vielleicht eine Ausbildung mit geschützter Berufsbezeichnung etablieren, die qualitativ hochwertige Arbeit garantiert und es Kunden leichter macht, Gestalter zu finden.

Komplexität

Das Internet entwickelt sich rasant. Die Komplexität nimmt ständig zu. Wir haben die Geburt von sozialen Netzwerken erlebt, die heute unglaublich viele aktive Nutzer haben und das Erscheinen neuer Endgeräte gesehen, die nach und nach die Haushalte erobern.

Die Möglichkeiten werden immer größer, mit ihnen aber auch die Probleme. Die Zeiten, in denen man einen Wysiwyg Editor nehmen konnte und so eine ausreichende Internetpräsenz für einen Mittelständler erstellen konnte, sind definitiv Geschichte.

Um eine Webseite nach vorne zu bringen und als gewinnbringendes Mittel einzusetzen, braucht es ungeheuer viel Erfahrung und Wissen.

Der Neffe kann das wahrscheinlich nicht mehr leisten. Er ist nicht dazu fähig, Versionen für iPad, iPhone und Co zu erstellen. Er schafft es normalerweise nicht, seine Webseiten an alle Browser anzupassen und so sicherzustellen, dass keine potenziellen Kunden von heftigen Fehlern vertrieben werden.

Webdesigner haben, gerade wenn sie als Einzelkämpfer unterwegs sind, verdammt viele Aufgaben. Und es wird noch mehr werden. Das Internet durchdringt unseren Alltag, es geht hin zum Menschen, der immer und überall online ist. Am Fernseher, im Zug und im Flugzeug.

Neue Strukturen

Der Alltag wird sich für Webdesigner durch die oben genannten Punkte extrem verändern.

Spezialisierung

Es gibt sehr viele Webdesigner, die als One-Man Show unterwegs sind und Kunden die gesamte Palette anbieten wollen. Das wird in naher Zukunft nicht mehr möglich sein.

Auf Grund der zunehmenden Komplexität wird es für einen einzelnen Menschen irgendwann nahezu unmöglich werden, das Rund-Um Paket anzubieten. Wenn die Kunden dann auch noch die Möglichkeiten des Internets kennen und sie nutzen wollen, hat man ein Problem. Plötzlich wollen die Auftraggeber nicht nur eine funktionierende Webseite, sondern auch eine Version für Tablets und Smartphones, eine Facebook Fan-Page und Suchmaschinenoptimierung. Und das auch noch in 3 Monaten. Knick it.

Weniger Alleskönner, dafür mehr Experten

Spezialisierung wird die einzige Alternative sein.

Webdesigner die gleichzeitig programmieren und gestalten wird es nicht mehr geben. Stattdessen konzentriert man sich auf kleine Teilbereiche, erlangt in diesen aber Expertenniveau.

Einzelne Webdesigner werden nur noch Zahnräder sein und nicht mehr der ganze Motor.

Mit der Spezialisierung werden außerdem ganz neue interessante Berufsbilder entstehen.

Kleine Agenturen

Durch die Spezialisierung wird es natürlich unmöglich, eine One-Man-Full-Service-Webagentur zu sein.

Stattdessen werden sich spezialisierte Webdesigner zusammentun und als Experten in verschiedenen Bereichen unter einem Dach arbeiten. Diese Teams werden hocheffiziente Arbeitsweisen und eine – im Vergleich zu Ein-Mann-Webagenturen – enorme Produktivität und Professionalität entwickeln.

Einzelkämpfer, die diese Entwicklung verpasst haben, werden vom Markt verdrängt. Sie sind auf Grund mangelnder Effizienz einfach nicht mehr konkurrenzfähig und können sich – wenn überhaupt – nur mit absoluten Dumping-Preisen über Wasser halten.

Full-Service mit Outsourcing

Kunden werden versuchen auf möglichst vielen Schauplätzen dabei zu sein und werden von ihrer Internetagentur daher erwarten, dass am Ende nicht nur eine hervorragende Webseite steht, sondern auch zum Beispiel die Facebook Kampagne umgesetzt ist. Mit zunehmender Komplexität wird es für kleine Unternehmen auf immer schwieriger, eine Produktpalette zu bieten, die breit genug ist. Daher werden sie sich Netzwerke aufbauen und mit eingearbeiteten Partnern kooperieren.

Mit Outsourcing werden sie auch die Möglichkeit haben, Kostenvorteile zu nutzen. Warum sollte man nicht mit der Social Media Agentur aus Indien zusammenarbeiten?

Bei Apple kann man auch ganze Computer kaufen, aber es kommt nicht jedes Kleinteil von dem Konzern mit dem angebissenen Apfel.

Kundenbindung als oberste Priorität

Die Anzahl an Neukunden wird abnehmen. Stattdessen wird die Kundenbindung für die Agenturen im Vordergrund stehen. Ein Internetprojekt ist nie zu 100% abgeschlossen, da durch neue Technologien immer neue Möglichkeiten entstehen. Deswegen wird es für die Agenturen sehr wichtig, Stammkunden zu gewinnen.

Man wird sich also nicht mehr so häufig in neue Unternehmen einarbeiten müssen. Es wird wichtiger, die Kunden im Detail kennenzulernen und sie so optimal betreuen zu können.

Anders wird es auch gar nicht gehen: Die immer komplexeren und miteinander zusammenhängenden Internetmarketing-Aktivitäten können von Dritten nur schwer durchschaut werden. Wenn Kunden eine neue Agentur beschäftigen wollen, müsste sie erst mal die Frameworks und Verzahnungen verstehen.

„Industrialisierung“ der Webdesign Branche

Der Strukturwandel übernimmt einige wesentliche Merkmale der Industrialisierung. Mit den oben genannten Veränderungen wird die Branche sich mehr auf Kostenminimierung auf der einen und Profitmaximierung auf der anderen Seite konzentrieren.

Geringere Kosten, mehr Profit

Da die Teamarbeit die Zukunft dominieren wird, ist es für alle heutigen Webdesigner wichtig, dass sie sich Fähigkeiten in dem Bereich aneignen. Die Produktivitätssteigerung, die durch die Spezialisierung erreicht wurde, soll schließlich nicht durch Ressourcenverlust beim teaminternen Informationsaustausch relativiert werden.
Zu diesem Zweck werden umfangreiche Frameworks entwickelt und Prozessoptimierung wird etabliert. Auch wenn das Internet global ist, werden die Agenturen unter einem Dach arbeiten um die Kommunikation der Teammitglieder zu vereinfachen.

Damit die kleinen Agenturen wettbewerbsfähig bleiben können, werden sie ihr Dienstleistungs-Portfolio auf Kernkompetenzen beschränken und weitere Leistungen bei externen Unternehmen zukaufen.
Außerdem wird man im Sinne der Wirtschaftlichkeit möglichst viele Prozesse standardisieren und automatisieren. Hier sind gute Programmierer und Ideen gefragt, denn je effizienter man arbeitet, desto billiger kann man seine eigenen Produkte verkaufen. Ohne Qualitätsverlust.
Zwar wird von außen gesehen jede Webseite und jede Facebook Kampagne individuell sein, im Hintergrund arbeiten aber wiederverwendbare Module und Systeme, die an die Bedürfnisse der Agenturen angepasst sind.

Diese System werden mit neuer, intelligenter Software den Menschen immer weiter ersetzen und einige Arbeiten komplett automatisiert erledigen.

Schlusswort

Die Webdesign-Branche wird professioneller und sich wandeln.

Webdesigner werden eine spannende Zeit erleben, deren Ausgang für positiv oder negativ sein kann. Es macht Sinn, sich mit den Aussichten zu beschäftigen, um von den Veränderungen zu profitieren. Ich freue mich jetzt auf eure Kommentare, ihr werdet bestimmt einiges zu sagen haben, oder?

29 Kommentare

  1. webwork
    22. November 2010 um 08:58 Uhr

    Guten Morgen.

    Wunderschöner Artikel – und so wahr. Wenngleich ich auch nicht glaube, dass sich dieser Wandel schon in den nächsten 5 Jahren vollziehen wird, geht es doch eindeutig in diese Richtung.

    Auch bei uns sind die Anforderungen längst so diefferenziert, dass wir das unmöglich allein abarbeiten können.

    Daraus haben sich tolle Partnerschaften ergeben, die ich bereits jetzt nicht mehr missen möchte.

    Ich glaube auch nicht, dass Kunden damit ein Problem haben, wie es von größeren Agenturen gerne mal behauptet wird.

    Kunden wollen einen Ansprechpartner, ja. Das heißt aber noch lange nicht, dass die Leistung auch aus einer Hand kommen muss.

    Ob sich daraus so etwas ähnliches entwickelt, wie es uns die Ärztehäuser schon seit Jahren vormachen, wird man sehen. Wünschenswert wäre es aber allemale.

  2. Michael Kötting
    22. November 2010 um 09:50 Uhr

    Habe mich vorher zwar nicht explizit mit dem Thema beschäftigt, aber während dem lesen, kann ich einfach nur sagen:
    Ich stimmt voll und ganz zu!

  3. Rene
    22. November 2010 um 10:09 Uhr

    Sehr schöner Artikel! Stimme dir in fast allem zu. Ich sehe es auch so, dass es wichtig ist in der Zukunft sich zu vernetzwerken und sich zu spezialisieren. Denke aber auch, dass man auch keinen Tunnelblick haben darf und sich nur auf eine Sache extrem versteifen. Man sollte in mehreren Gebieten einblick haben, muss aber nicht alles perfekt beherrschen außer sein Spezial Gebiet.
    Es wird sicher noch eine weile die kleinen One Mans geben, da der Blumenladen um die Ecke im 10 000 Mann Dorf keine tausende von Euros ausgeben will und kann.

  4. Kleingarten
    22. November 2010 um 10:20 Uhr

    „Mittelfristig wird sich vielleicht eine Ausbildung mit geschützter Berufsbezeichnung etablieren, die qualitativ hochwertige Arbeit garantiert und es Kunden leichter macht, Gestalter zu finden.“

    Und was ist mit dem MedienGESTALTER? Ist diese Ausbildung etwa nicht hochwertig? Oder kann die Arbeit eines Mediengestalters nicht hochwertig sein? Oder velleicht noch nie was von diesem Ausbildungsberuf gehört? Oder einfach nur „vergessen“, damit man drüber diskutiert? :rolleyes:

    „Webdesigner haben, gerade wenn sie als Einzelkämpfer unterwegs sind, verdammt viele Aufgaben.“

    Man muss sich doch nur mal den aktuellen Arbeitsmarkt anschauen, da gibt es keine „Webdesigner“. Da heisst es „Webentwickler“. Und die müssen das können, was das Bewerbungsprofil schon immer verlangt: Alles… Programmierung, SEO, blabla mit entsprechendem Hochschulabschluss… achja, auch Design.

    Eine Spezialisierung gibt es schon immer, Resourcen werden schon immer ausgelagert, das ist keine Entwicklung in der Zukunft. Das Szenario das beschrieben wird, ist wünschensert für den „WebDESIGNER“, aber nicht realistisch. Für einen Teil wird es so sein, bzw. ist es ja schon, aber das wird nicht die Tatsache ablösen die am verbreitesten ist und gewollt ist: Billige Webentwicklung von einer Person/Agentur ausm Dorf…

    • Lennart Prange
      22. November 2010 um 18:27 Uhr

      Ich habe die Ausbildung die gemacht, kann sie danach nicht zu 100% beurteilen. Sie ist aber kein Standard für Webdesigner, soweit ich das sehe, und wird von Kunden nicht als entscheidendes Kriterium herangezogen.
      Soweit ich weiß, sind die Inhalte auch sehr breit gefächert und haben sehr häufig nichts mit Webdesign zu tun, da kann ich mich aber irren.

    • JimDoe
      21. Januar 2011 um 22:38 Uhr

      Der Mediengestalterabschluss heutzutage ist in keinster Weise repräsentativ für qualitativ hochwertiges Webdesign, das liegt zum einen an den eher allgemein gehaltenen Inhalten die in der Berufsschule vermittelt werden, welche zu dem von Bundesland zu Bundesland varriieren. Zum Anderen existiert eine sehr breite Masse an potentiellen Ausbildungsbetrieben, da die Anforderungen an diese nicht wirklich standadisiert sind. Es ist unter anderem möglich einen Mediengestalterabschluss in Bereich Digitalmedien zu machen obwohl man in einem Betrieb beschäftigt ist, der sich hauptsächlich mit der Bedruckung von Werbeartikeln beschäftigt. Die Trennung zwischen Print- und Digitalmedien, oder um konkret zu sein Webdesignern gibt es hier nicht hinreichend.

      Einige Hochschulen bieten einen Medieninformatik Studiengang – aber auch hier liegt es aber in der Hand des Einzelnen sich entweder im Gestaltungs- oder Developmentbereich zu spezialisieren. Da dies Entwicklungen der letzten Jahre sind (Die Ausbildungsordnung für Mediengestalter wurde z.B. 2007 aktualisiert, für Staatsverhältnisse also noch relativ frisch) würde ich mich nicht drauf verlassen das man in der nächsten Zeit ein aussagekräftiges Zertifikat als Webdesigner in den Händen halten darf.
      Letztendlich sind hier die Referenzen entscheidend.

  5. Rudolf Bösiger
    22. November 2010 um 11:25 Uhr

    Die Branche wird sich professionalisieren, da stimme ich zu, sie wird sich aber etwa so entwickeln wie diejenige der Grafiker, Texter und der anderen Marketingdisziplinen. Da wir es immer Platz haben für Freiberufler und kleine Agenturen jeglichen Couleurs. Die technischen Grundlagen werden sich vereinfachen und der Fokus wird sich weiter vom technischen zum inhaltlichen verlagern. Für kleine Firmen wird die Website eine Werbemassnahme sein. Ich sehe den Wandel klar weniger dramatisch als im Artikel angetönt.

  6. Bärbel Loy
    22. November 2010 um 13:34 Uhr

    Ausführlicher und gut geschriebender Artikel.
    Ich glaube auch, dass es langsam aber „Sicher“ in Richtung Spezialisierung geht.
    Im Grunde genommen haben es Webdesigner dadurch sogar einfacher, weil sie nicht mehr „Quer Durch Den Garten“ lernen müssen! Die anzueignende Informationsbreite wird schmaler aber dafür auch spezialisierter.
    Nicht zu vergessen, dass die Kunden die jenigen sind, die von dieser Entwicklung eindeutig partizipieren.

    Stimme Deinen Ausblick in die zukünftige Arbeitsweise eines Webdesigners voll und ganz zu.

  7. Dennis
    22. November 2010 um 14:47 Uhr

    Ich gebe Kleingarten und Rudolf recht, wenn es darum geht, dass es immer Platz für Freiberufler und One-Man-Shows geben wird – die Alleskönner eben.

    Wenn es allerdings um die angesprochene Profitmaximierung geht, dann wird auch jeder Allrounder früher oder später vor der Entscheidung stehen „Lerne ich das noch selbst, oder lass ich einen Spezialisten ran“

    Wir z.B. geben Programmierung von neuen Modulen für Contao, WordPress und Co., aber auch die Verwaltung von Adwords mittlerweile mit gutem Gewissen in andere Hände.

    Das Geld, was uns hierbei „durch die Lappen geht“ ist dabei keinesfalls verloren, sondern auch wir sind in unserem Netzwerk Ansprechpartner für die Gestaltung von benutzerfreundlichen Websites, es kommt also auch wieder was zurück 🙂

  8. Janek Bevendorff
    22. November 2010 um 16:20 Uhr

    Ich denke auch, dass der Trend eindeutig zu mehr Professionalisierung geht.
    Auch bei der „One-Man-Webdesign-Agentur“ stimme ich dir zu. Das ist schon heute in viele Bereichen nicht mehr leistbar. Gut, es gibt sicherlich das Vorurteil, dass Webdesigner nicht richtig programmieren und Programmierer nicht richtig designen können (visuell designen wohlgemerkt, es gibt auch das technische Anwendungs-/Applikationsdesign, das Spezialität guter Programmierer ist), welches auch in gewisser Weise wahr ist, aber auch immer wieder durch Ausnahmen bestätigt wird. So betätige ich mich z.B. sowohl im Bereich Webdesign als auch in technischen Dingen wie Programmierung und Systemadministration. Dennoch kann ich nicht alle drei Bereiche in größerem Stil professionell anbieten, der Aufwand wäre immens. Von daher sehe ich, dass die Spezialisierung bereits begonnen hat. Hoffen wir, dass sie nicht zu einer allgemeinen Verblödung und der Bildung von Fachidioten führt. Je weiter die Spezialisierung fortschreitet, desto wichtiger wird es meiner Meinung nach, über den Tellerrand zu schauen. Auch wenn man nicht mehr alle Zusammenhänge in ihrer Komplexität verstehen kann, so halte ich es doch für wichtig, wenigstens ein grundlegendes Verständnis für andere Themenbereiche zu entwickeln. Designer, die sich Webdesigner nennen, von Internet und Technik aber keine Ahnung haben, in Photoshop ein Printdesign in cm und mm herstellen und den Rest dann der Programmiererriege überlässt, kann nicht produktiv arbeiten. Hier hat sich die Spezialisierung dann in ihrer negativen Form gezeigt, nämlich dass niemand mehr auch nur im Ansatz Ahnung hat, was der Kollege da überhaupt tut.
    Deshalb mein Appell: spezialisiert euch, wenn ihr die Notwendigkeit dazu seht, aber vergesst nie, auch einmal, den Prozess als ganzes zu begreifen. Mechaniker, die nichts anderes mehr können, als am Fließband an einer ganz bestimmten Stelle eine ganz bestimmte Schraube in einer ganz bestimmten Weise anzuziehen, sind für Entwicklung und Innovation nicht förderlich. Mechaniker hingegen, die zwar nicht den gesamten Herstellungsprozess in seiner Gänze verstehen, aber doch wissen, dass am Ende ein Auto herauskommen soll und wie dieses vom Prinzip her funktioniert, sind das, was die Branche benötigt.

  9. Mirco Rehmeier
    22. November 2010 um 17:57 Uhr

    Ein wirklich klasse Artikel, dem ich voll und ganz zustimmen kann.

    Das grösste Problem sehe ich derzeit bei den Kunden, die Qualität und damit auch einen gewissen Preis nicht zu schätzen wissen und sich vielzuoft an den Neffen wenden und hinterher enttäuscht werden, weil keine Besucher auf die Seite kommen.

    Die Kunden unterschätzen oftmals die Arbeit die dahinter steckt, die eben auch eine One-Man-Agentur nicht leisten kann. Es gibt kaum Leute die sich mit all dem auskennen, was man für eine richtige Webseite braucht, angefangen von einem professionellen Design, dynamische Programmierung nach Web 2.0, SEO und auch Marketing. Irgend ein Teil bleibt immer zurück, und damit hapert es dann oftmals an den Besuchern.

    Die kleine Firma aus dem Dorf wird sich auch in fünf Jahren noch an den Neffen wenden und sich danach ärgern, einfach weil das Verständnis und auch Interesse für eine professionelle Webseite vom Kunden her fehlt. Der sieht eben nur das Geld.

    Nochmal, klasse Artikel, es macht wirklich Spass sowas zu lesen.

  10. Oliver Wagner
    22. November 2010 um 20:21 Uhr

    Definitiv hast du mit dem Artikel ins Schwarze getroffen.

    Eine gescheite duale Ausbildung zum Webdesigner wäre echt ein großer Schritt nach Vorne. Ich finde das die Ausbildung zum Mediengestalter zu viele verschiedene Richtungen aufweist und somit mehr eine „Eierlegende Wollmilchsau“ ausgebildet wird, was jedoch in der Kürze der Zeit nicht möglich ist.

    Eine 3jährige Ausbildung für einen Webdesigner kann meines erachtens nicht einmal alles beinhalten, was ein Webdesigner wissen „kann“. Es wäre aber sicher auch für den Ausbilder / Lehrer eine anspruchsvolle Sache. Denn eine so starke Weiterentwicklung wie im Webdesign gibt es sicherlich sonst nirgends. Mich würde es reizen 😉

    An einer Spezialisierung wird kein Weg vorbeigehen. Man sollte jedoch das Große und Ganze nicht aus dem Auge verlieren und immer die Augen offen halten und Fachblogs wie diesen oder Smashing Magazin verfolgen.

  11. Mediaroo
    23. November 2010 um 10:01 Uhr

    Mehr oder weniger. Klar – freischaffende Künstler und kleinere Agenturen wird es immer geben. Es wird auch immer wieder Leute geben die auf das Lockangebot von Freiberuflern reinfallen die zwar Webdesign anbieten, das Ganze aber nach Ano domini aussieht und nichts bringt außer potenzielle Kunden abzuschrecken. – Die darf man nicht vergessen, einfach Leute die unwissend sind und / oder denen es egal ist – es ist ja „nur eine Webseite“. Das mit einer Webseite ein Ziel verfolgt werden sollte sei dann sowieso dahingestellt…

    Wobei ich sowieso für eine Dauerhafte Weiterbildung bin, von Usabillity bis hin zum neuen HTML5 – jeden Tag ändert sich etwas was das Web bereichert (oder verkompliziert), was irgendwann einmal als Standard gelten könnte…

  12. Patrick Offczorz
    23. November 2010 um 18:21 Uhr

    Toller Artikel.
    Ich selbst bin auch als Einzelkämpfer unterwegs und muss zugeben, dass man ein sehr umfangreiches Angebot abdecken muss. Das fängt schon bei der Akquise zu seinen Neukunden an. Dann muss man sich einen Überblick über das Projekt machen (zeitlich und preislich). Anschließend muss das ganze umgesetzt werden und „verkauft“ werden.
    Ich arbeite schon lange nicht mehr alleine, sondern outsource diverse Projekte jetzt schon. Der Kunde behält so einen Ansprechpartner und man kommt wenn alles gut organisiert ist auch nicht ins schwitzen.

    Sorry wenn ich hier ein wenig Werbung für meinen Blog mache. Aber ich habe einen Artikel mal geschrieben der evtl. ganz gut passt.
    http://www.gfxpark.de/2010/02/ich-bin-webdesigner-na-und-ich-doch-auch/

    Beste Grüße
    Patrick

  13. mr92
    23. November 2010 um 22:31 Uhr

    Hallo,

    man darf nie vergessen, wer droht den Markt auch zu zerstören: Junge selbsternannte Webdesigner, die schwarz (da Einkommen unter der 400€ Steuergrenze) arbeiten, oft schnell durch viel Zeit sind und in vielen Situationen auch gar nicht mehr so schlecht. Die großen Projekte werden die nicht abgreifen können, aber besonders regionale Projekte haben es da schwer. Immer mehr Menschen kennen jemanden, der „auch mal ein bisschen PHP gemacht hat“. Über die Qualität brauchen wir nicht reden, diese zu erkennen vermögen ja nicht viele Benutzer.

    Grüße,
    Marian.

  14. Advitum Webdesign
    24. November 2010 um 15:01 Uhr

    Ich denke auch, dass deine Trends stimmen. Allerdings glaube ich nicht, dass der Beruf „Webdesigner“ irgendwann geschützt wird. Das wäre ja eine Katastrophe, da alle Webdesigner (auch die guten, die es jetzt schon gibt) erst einmal eine Ausbildung, einen Eignungstest o.Ä. machen, um sich Webdesigner nennen zu dürfen.

    Aber vor allem kann ich dem Team-Building zustimmen. Es zeigt sich immer stärker der Trend, dass ich mit anderen Webdesignern mit anderem Spezialgebiet arbeite, und dadurch bin ich schneller. Ich kann mich eben einfach auf meinen Teil der Arbeit besser konzentrieren.

  15. Mario Hieber
    29. November 2010 um 15:59 Uhr

    Interessanter Ausblick in die Zukunft 🙂 Fullservice mit Oursourcing ist ohnehin langfristig unumgänglich. Viele Webdesigner sind halt noch Einzelkämpfer und können nicht alle Themenbereiche abstecken … da ist dringender Handlungsbedarf. Auch wenn es sogenannte „Multitalente“ durchaus gibt, hört sich das irgendwann auf und endet dann wahrscheinlich zulasten der Qualität.

  16. Webdesign Saarland
    9. Dezember 2010 um 01:08 Uhr

    Kopf hoch jungens, es wird nie einfacher. Ich für meinen Teil wünsche mir, dass es in zukunft multible erste Plätze bei Google gibt und der ganze SEO-Kram endlich ein Ende hat 😉

  17. KlaDiMu
    10. Dezember 2010 um 12:13 Uhr

    Hallo,

    also ich denke da auch eher in die Richtung Spezialisierung. Jedoch wird es auch immer die übergeordnete Eierlegendewollmichsau geben. Der Nachteil der Spezialisierung ist ja wieder die Abstimmung der Disziplinen. Wenn es da keine Person gibt, die von jedem Brei gekostet hat, sind solche Projekte ebenfalls nicht mehr zu dem Ergebniss kommen, welche gewünscht sind. Ob es nun ein Ausbildungsberuf geben wird, wie repräsentativ ein Diplom Wirtschaftsinformatiker (wie ich es bin), sei dahingestellt und ist auch nicht von Relevanz meiner Meinung. Webdesign, Webentwickler wie auch immer die heissen mögen ist nicht relevant. In einem kreativen Berufsfeld ist meiner Meinung nach auch egal wie man sich da nennt. Die Ergebnisse zählen. Eine große Agentur kann breit gefächerte Dienstleistungen anbieten und hat in der Agentur Spezialisten. Wer nur koordiniert diese ???
    Wenn der Projekt- Koordinator kein Vorstellungsvermögen besitzt was möglich und was eben nicht möglich ist, so ist er stets auf die Aussagen seiner Spezialisten angewiesen und wie soll er dann kompetent und sachlich entschieden was zum Ziel führt???
    Genauso ist ist vor Projektbeginn. Wer berät die Kunden bzgl. des Machbaren und zeigt dem Kunden wohin der Wind wehen wird??? Das können Spezialisten nicht, es sei denn der Kunde wird von 5 Spezialisten belagert und dann sind die sich auch noch nicht einmal einig!

    In diesem Sinne! Gruß KD

  18. Jean Marie
    10. Dezember 2010 um 21:18 Uhr

    Schöner Artikel, der die eigene Denke mal wieder etwas breiter fächert. Danke.

    Gruß,
    JeanMarie

    PS:
    Einige Sätze sind ziemlich holperig. Lass dein Geschriebenes vor dem Veröffentlichen besser nochmal gegenlesen. Macht das Ganze einfach runder 😉

  19. Michael
    14. Dezember 2010 um 00:57 Uhr

    Danke für diesen Informativen Beitrag.

  20. Kjel Peter, Kjelldesign
    13. Januar 2011 um 14:45 Uhr

    Schöner Artikel!
    ich freue mich bei Euch einen ersten Artikel schreiben zu dürfen.

    Ich glaube, dass der freien Webdesigner in Zukunft eine stark beratende Rolle spielen wird. Hier ist in erster Linie das Wissen
    über die Tätigkeiten der Partner wichtig und das „Erklären können“ von „Nicht Webdesign Aufgaben“ die dem Kunden dienen.

    Hier möchte ich kurz aufführen welche Tätigkeiten bei mir weit über das eigentliche Webdesign hinausgehen, die aber unbedingt für den Nutzen meiner Kunden notwendig sind.

    Als Webdesigner sollte man auch Web „Designer“ bleiben.
    Da aber meine Kunden möglichst alles aus einer Hand wünschen, geht meine Dienstleistung gerade bei der Gestaltung und Fertigstellung von Internetauftritten mittlerweile weit über mein Kerngebiet, dem Grafik und Design hinaus und betrifft auch die Programmierung, Suchmaschinenmarketing und Benutzerfreundlichkeit.

    Dies betrifft insbesondere die Website Optimierung „verkaufsorientierter Websites“

    Aufgaben die hier immer wieder gefragt sind haben insbesondere mit der Struktur der Website und Inhalte und dem grundsätzlichen Verständnis für die Formulierung von Texten zu tun.

    Das Aufgabengebiet des Webdesigners ist und wird in der Zukunft weit mehr Bereich umfassen als die reine Gestaltung.
    Auch wenn der Webdesigner nicht alles machen kann und es in jedem Fall ratsam ist Partner für Aufgaben außerhalb der Gestaltung zu haben ist doch ein sehr breites Verständnis für alle Bereiche rund um die Vermarktung der Internetseite notwendig. Schließlich stehen Webdesigner ja auch oft alleine im Kundengespräch und müssen meines Erachtens wenigstens
    Basiswissen in allen notwendigen Gebieten vorweisen können.
    Das freut den Kunden und wenn man mal nicht weiter weiß kann immer gerne auf die Partner verwiesen werden.

    Basiswissen zur Website Optimierung welches ich über die eigentlich Webdesign Leistung immer wieder anwenden muss, sind:

    1.) Wichtige inhaltliche Elemente nach vorne stellen
    2.) Formulierungen kurz halten
    3.) Anwendung von Fachbegriffen
    4.) Beschreibung von Links, Backlinks
    5.) Einsatz hochwertiger externer Links
    6.) Lesefreundlichkeit, Typografie
    7.) Inhalte für jedermann zugänglich machen

  21. Webentwickler
    3. Februar 2011 um 23:16 Uhr

    Sehr cooler Artikel! Ich denke das ein Webdesigner „von Morgen“ sich sehr viel technisches Wissen mitbringen muss, also die Möglichkeiten von Social Media usw kennen muss. Auch die kleinen Webshops werden schon bald starke Verknüpfungen mit den großen Social Media Bereich haben die ein Webdesigner kennen muss.

  22. Mika Gustavson Webdesign
    11. Februar 2011 um 18:29 Uhr

    Toller Artikel,

    ich stelle mir die Frage als 38 jähriger immer wieder wie geht es mit meinem Beruf und mir weiter.

    Gruß Mika

  23. Rübestahl, repro design
    15. Juni 2011 um 09:50 Uhr

    Toller Artikel,
    dem ich voll und ganz zustimmen kann.
    Auch wir haben im Laufe der Zeit uns zur einer kleinen Agentur Entwickeln müssen

  24. Designhanse
    30. November 2011 um 15:40 Uhr

    Die Branche ist von Anfang an schon im Wandel was ich selbst schon erlebt habe. 1999 arbeitete ich schon für eine Werbeagentur. Ich stellte damals mit meinen Kollegen ein Social Network auf die Beine was zuletzt 2004 16.000 angemeldete User verzeichnete. Doch nach 2004 brach das Interesse der User für kleine nicht Kategorisierte Plattformen wie unsere wo sich jeder anmelden konnte ab. In dieser zeit war es interessanter in einem Netzwerk angemeldet zu sein was in ein Themengebiet angesiedelt ist. kaum 4 Jahre spähte muss Mann in unzähligen wetzwerken vertreten sein aus angst was zu verpassen. Doch das wird nicht für immer sein den es ist auch nur eine sich derzeit formende Branche die wie jede andere sich festigen wird.
    Gruß Jörg

  25. unbekannt
    18. März 2012 um 12:35 Uhr

    Der Artikel ist etwas ungenau und einseitig in seinen Aussagen. Der Erfolg einer Webpräsenz ist nicht allein dadurch garantiert dass eine Agentur oder andere Super-Entwickler das gemacht haben. Auch die Seite des genannten Neffen kan das erreichen.

    In Zukunft kann es nur eine Seite geben, die sich jedem Gerät automatisch anpasst. Die veralteten Header und unsäglichen Menüs werden obsolet sein.

    In dem Artikel und den Kommentaren wurde angedeutet das Profis nicht mit Pfotoshop und Dreamweaver arbeiten. Das ist doch wohl die Sichtweise der Laien. Ein Mediengestallter erstellt mir mit Photoshop das Layout. Der selbst ernannte Webdesigner setzt das Layout und Design in HTML (Standardkonmform ohne Sonderlösungen für Produkte von Microsoft!) um.

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