Einzigartiges Webdesign ist eine Seltenheit

  • von Lennart Prange

thumbVielleicht ist es euch aufgefallen: Die Kategorie Inspiration fülle ich momentan nur noch sehr selten mit hübschen Webseiten. Der Grund ist einfach: Mir fehlen besondere Webseiten, über die ich schreiben könnte. Webseiten, die wirklich einzigartig sind und deren Stil einfach unverwechselbar ist. Auf sowas stoße ich nur sehr selten.

Dieser Beitrag soll eine Anregung zur Neuorientierung sein und meine Meinung zum Thema Inspiration darstellen.

Kommentare und Social Bookmarks würden mich sehr freuen. Viel Spaß mit dem Beitrag.

Alle suchen an den falschen Stellen?

Es sind keineswegs alle Ideen verbraucht! Niemand kann mir sagen, dass die Möglichkeiten im Web schon voll ausgereizt wurden. Trotzdem sieht man an jeder Ecke die gleichen Verläufe. Man sieht an jeder Ecke die gleichen Grunge Seiten und man sieht an jeder Ecke die gleichen Icons.

Wer den Grund dafür finden will, muss nicht lange suchen. Es ist meiner Meinung nach einfach das Problem der vielen CSS Galerien. Webdesigner suchen an den falschen Stellen nach Inspiration. Wer nur bei anderen Websites abschaut, kann auch nichts Neues schaffen. So hat jeder den gleichen Stil und alle kopieren. Natürlich nicht offensichtlich und vielleicht auch nicht bewusst. Aber sie kopieren.

Ein weiteres Problem sind sicherlich die Trends, welche sich immer durch das Web ziehen. Eine Zeit lang waren es „Web 2.0“ Spiegelungen und jetzt ist es zum Beispiel der Letterpress Effekt. Nerv. Ein super Beispiel dafür sind auch die ganzen Internetseiten, welche Holz im Hintergrund benutzen. Eine Zeit lang konnte man bei Deviantart jeden Tag gefühlt 10 Stück davon begutachten. Warum soll ich für mein Portfolio Holz im Hintergrund benutzen? Was sagt das über mich aus? Das ich aus Holz bin? Ein sinnloses Gestaltungselement, dass vielleicht interessant wäre, wenn es nur selten verwendet werden würde.

Wo sind die richtigen Stellen?

Viele bekannte Blogs schreiben jetzt: Computer aus und raus (woooha das reimt sich). Ich sage das nicht. Ihr könnt euren Computer anlassen. Ihr könnt auch drinnen bleiben und ihr dürft sogar vor dem Computer sitzen. Lasst bloß die CSS Galerien zu und treibt euch auch nicht auf Blogs herum, die die x tollsten Websites des Monats vorstellen. Es gibt genug andere Quellen – auch online. Abduzeedo stellt regelmäßig inspirierende digitale Malereien, Werbekampagnen usw. vor. Eine weitere Seite, welche interessant ist, habe ich erst vor kurzer Zeit entdeckt: lookslikegooddesign.com . Noch eine neue Entdeckung von mir ist typeinspire.com . Beide Seiten legen ihren Fokus nicht auf Webseiten.

Natürlich gebe ich euch auch den Ratschlag nach Inspiration in der Natur zu suchen. Sie ist mit ihrer Vielzahl von Formen und Farben sicherlich eine gute Quelle dafür.

Eine weitere Möglichkeit, die ich euch wirklich empfehle, ist ein Ideenbuch. Dort sammelt ihr interessante Dinge, die ihr findet. Vielleicht Werbeplakate, die ihr kurz fotografiert oder interessante Gestaltungselemente aus Magazinen. Das könnt ihr natürlich auch digital verwalten. Sammelt dabei alles, was irgendwie interessant sein könnte. Nicht nur Inspiration für das aktuelle Projekt. Und denkt dabei auch nicht an die Umsetzung. Selbst wenn es aktuell noch nicht geht, könnte sich das in Zukunft ändern.

Der Vorteil der alternativen Inspirationsquellen ist, dass man häufig auf unverbrauchte Ideen trifft. Besonders Printprodukte zeigen häufig sehr spannende Layouts und Gestaltungselemente, die man genauso oder ähnlich in das Web übertragen könnte.

Carsonified

Carsonified

Das ist die neue Seite von Carsonified und die ist meiner Meinung nach ein perfektes Beispiel für interessantes und unverbrauchtes Webdesign. Klar, große Typographie ist nichts neues, aber kombiniert mit der Zweifarbgikeit und der besonderen Schrift und der großen Illustration und der genialen Idee mit der Schere und dem Dashed border, wird das Ganze total einzigartig. Auch wenn das Icon des Menüpunkts Mission vielleicht etwas unpassend ist, bringt die Seite Spaß.

Und auch bei dieser Seite hat sich der Gestalter inspirieren lassen. Wie Mike Kus zu der fertigen Website gekommen ist, erklärt er hier. Ein interessanter und lesenswerter Bericht.

Der Weg zur Macht: Wissen

Wer interessant gestalten will, muss wissen, was geht. Interessante und einzigartige Gestaltung funktioniert nur, wenn man sich wirklich auskennt. So wie Mike Kus. Die Gestaltung hat einen Sinn. Selbst die Zweifarbigkeit sagt etwas über Carsonified aus (jedenfalls steht das in seinem Artikel).

Mit dem Wissen, kommt auch der Mut, etwas neues zu probieren.

Von welchem Wissen spreche ich eigentlich? Ich rede von dem Wissen, wie man etwas mit Gestaltungsmitteln wie Typographie, Layout und Farbe kommuniziert. Wie man eine Firma mit einer Internetseite perfekt repräsentiert. Kaum jemand schafft es, die ihm gegebenen Mittel in die Richtung zu nutzen.

Ich habe mich vor kurzem bemüht, solche Internetseiten zu sammeln. Wie ihr aber schnell bemerkt habt, waren nur wenige Beispiele brauchbar.

Fazit

Ich will mehr einzigartige Internetseiten. Internetseiten, deren Gestaltung auch nachvollziehbar ist. Webdesigner, die etwas neues probieren. Es ist durchaus ok, einem Trend zu folgen. Man sollte sich nur fragen, warum man das tut. Will man aussagen, dass man ein Mitläufer ist. Natürlich können derartige Modeerscheinungen auch ihren Sinn haben. Dann kann man sie auch gerne benutzen.

Ich würde mich auch damit zufrieden geben, wenn die neuen Gestaltungsmittel keinen Sinn ergeben sondern einfach nur gut aussehen und halt neu sind. Versucht das mal bei euren Projekten. Dann hätten wir schon viel gewonnen.

16 Kommentare

  1. André Nitz Webdesign aus Leipzig
    27. Juli 2009 um 16:50 Uhr

    Servus Lennart,

    freut mich endlich einen neuen Artikel von dir lesen zu können. Deine Anregungen finde ich sehr gut und ehrlich gesagt gebe ich dir voll und ganz recht. Im großen und ganzen sehen sich viele Sites einfach viel zu ähnlich und oder teilweise gänzlich gleich aus.

    Ich würde deiner Liste gerne auch noch eine Website von einem Bekannten aus Hamburg empfehlen, der auch über verschiedene Werbekampagnen schreibt bzw. die in seinem Blog vorstellt:

    http://blog.pickone.de

    Viele Grüße aus Leipzig, André

    • Lennart Prange
      27. Juli 2009 um 16:51 Uhr

      Hallo 😀 Jo, ich freue mich auch, dass ich es wieder geschafft habe 😉 Danke für deine Ergänzung.

    • Benedikt R.
      28. Juli 2009 um 10:28 Uhr

      Ich denke, er hat sich durch de-bug.de inspirieren lassen. Kann das sein?

  2. Kristof
    27. Juli 2009 um 20:32 Uhr

    Sehr gelungener Artikel, den ich auch nur voll und ganz unterstützen soll.

    Jedoch gibt es eine Handvoll anderer Aspekte die mmn berücksichtigt werden müssen: Nicht jede Website will oder muss neu und innovativ sein.

    Oft ist es der Kunde, der darauf pocht bekannte Elemente oder Stile einzusetzen die gerade „in“ sind. Gute Kommunikation kann helfen innovative Ideen durchzuboxen, doch oftmals läuft man Gefahr zuviel Zeit damit zu verbringen, einzigartig und innovativ sein zu wollen um am Ende dann doch nicht das letzte Wort zu haben, oder viel schlimmer, das Projekt totdesigned zu haben (super Gestaltung aber voll am Ziel vorbeigeschossen).

    Im Webdesign arbeiten wir mit mehr oder minder eingeschränkten Gestaltungsmöglichkeiten und mit der Herausforderung an den Besucher, nicht immer fix definierte oder bekannte Funktionswege nahezu augenblicklich herauszufinden. Bekannte Elemente einzusetzen, bekannte Stile einzusetzen mag, je nach Projekt, auch ganz beabsichtigt und richtig sein.

    Ich unterstütze deine Meinung vollkommen, vorgekautes Design nicht einfach zu noch-so-eine-holztafel-im-hintergrund-website zusammenzuwürfeln.
    Das meine ich, ungeachtet der Usability, im Hinblick auf Layout, Typographie, Bilder genauso wie Design, Look, Elemente, etc.

    Aber die Realität sieht leider so aus, dass es nur selten Projekte gibt, die einem dieses Maß an Kreativität offenlassen.

  3. Kristof
    27. Juli 2009 um 20:38 Uhr

    oh, und vielen Dank für die Linktips – super Seiten!

  4. Treml
    27. Juli 2009 um 20:47 Uhr

    Ganz einzigartig ist die Idee mit der Schere nicht:
    http://www.drweb.de/magazin/schere-webdesign/

    … aber sicher nicht so häufig gesehen wie manch anderes.

    Insgesamt ein guter Artikel, der zum Nachdenken anregt.

  5. Matthias Dittrich
    27. Juli 2009 um 23:54 Uhr

    Wirklich schöne Einschätzung, da schließe ich mich meinen Vorrednern an.
    Inspiration darf nie Einseitig sein und muss im Bestfall über das Netz hinausgehen.

    Ab ich glaube, auch du siehst das eben so eingesperrt, wie die Designer denen du das vorwirfst. Du hast völlig recht in den aktuellen CSS Galerien sehen die Seiten sich ähnlich, ähnlicher Stil, ähnlicher Gestaltungsmittel. Dennoch besteht das Web nicht nur aus diesen Seiten. Der dort angeprangerte Stil bezieht sich stark auf Portfolio-Seiten, im restlichen Web wird (meine Meinung) durchaus noch für das Thema gestaltet und dort auch andere mittel genutzt.

    Ich denke die Ähnlichkeiten basiert auch auf den genutzten technischen Mitteln. Lightbox ist nach wie vor ein Top Galerie-Tool und klar sehen dadurch die Seiten ähnlich aus. Mit der Nutzung von WordPress verhält es sich ähnlich, wenn man nicht sehr viel Zeit hineinsteckt oder schlimmer noch direkt ein fertiges Template nimmt, kann die Seite nicht individuell wirken. Ebenso verhält es sich mit anderen Bausteinen. Wie schon „Kristof“ sagt oft fehlt Zeit und solche Mittel sparen Zeit … nicht schön aber effektiv.

    Ich glaube es ist durch aus lohnenswert sich auf solchen Galerien inspirieren zu lassen, man muss nur die rechten Teile für sich nutzen und nicht das nachbauen, was man dort sieht. Und natürlich Links und rechts schauen, in anderen Designbereichen und der Welt selbst 🙂

  6. Benedikt
    28. Juli 2009 um 10:40 Uhr

    Ich denke auch, dass einige Seiten sich sehr an den aktuellen Trend der CSS-Galerien oder wie sie heißen mögen, orientieren.

    Eine meiner liebsten Quellen für Inspirationen sind Zeitschriften. Sei es zum Thema Kunst, Grafikdesign, Mediengestlatung, Architektur oder gar Kultur.

    Einige interessante Zeitschriften: Novum, QUALITY, De:Bug, PAGE. Man sollte sich einfach mal ein wenig Zeit in einer Bahnhofs-Bücherei verbringen und sich dort in Ruhe umschauen.

    Grüße,
    Benedikt

  7. LooksLikeGoodDesign
    28. Juli 2009 um 11:08 Uhr

    Danke für den Link! Guter Artikel 😉

    Gruss Jonas Kamber

  8. Andreas
    29. Juli 2009 um 17:16 Uhr

    Also ich bin z.B. noch gar nicht in der Lage ein einzigartiges Webdesign abzuliefern (zähle mich zu den Anfängern bzw. bin ich kein Webdesigner) obwohl ich einen haufen guter Ideen habe. Allerdings musste ich feststellen, das besonders Blog Themes die nicht Adsense-Ready sind, zur Zeit wohl nicht so gefragt sind bzw. Designs mit den typischen Plugins verunstaltet werden. Langsam erreicht auch der Hype um so gennante „Seo-Themes“ der schon bei Online Shops sein unwesen trieb, die Blogs und da bleibt oft gutes Design und Ideen auf der Strecke.

    Gruß,
    Andreas

  9. Manuel
    2. August 2009 um 23:38 Uhr

    the guys from carsonified a really special, awesome designers –
    thx

  10. Lauh
    8. August 2009 um 00:52 Uhr

    für Inspirationen kann ich nur http://webcreme.com/ empfehlen! Gute Ideen und zum teil auch wirklich geniale Webseiten bei…

    ein wenig muss man auch dort die Augen auf halten.
    viel Spaß! =)

  11. Markus Slaby
    9. August 2009 um 11:56 Uhr

    Hallo Lennart,

    interessanter Artikel – toll geschrieben!

    Aber – gerade bei Geschäftswebsiten sind die ausgefallenen, besonderen Websiten i.d.R. gar nicht gewünscht – mir fällt spontan keiner meiner Kunden ein, den ich mit so einer Website wie Du sie beispielsweise vorgestellt hast, glücklich machen könnte.

  12. juke
    18. August 2009 um 23:23 Uhr

    Die Frage ist wohl immer noch: Was ist denn eigentlich Webdesign? Der Begriff an sich lässt einen schnell und ausschließlich an nachhaltig eindrucksvolle Wow-Effekte denken.

    Und in der Tat, viele Kunden suchen nach dem Webdesigner „mit den tollen Sachen“. Aber ist es nicht in der Realität wie mit der Frage der Kleidung? Ich kann eine seriöse Webseite für einen Rechtsanwalt nunmal nicht mit einer Federboa und sich windenden Pflanzengirlanden „schmücken“ – der will ja schließlich nicht zum Karneval und Party machen. Wie würde das wohl bei seinen Kunden ankommen? So etwas ginge nur, wenn auch die Person oder das Unternehmen, welches dahinter steht, in Wirklichkeit auch so ist und das auch – in aller Konsequenz – nach außen vertreten möchte.

    Und dann ist da ja auch noch die Frage der Inhalte und die Frage der Idee, die auch und vor allen Dingen zuerst im Inhalt und der Konzeption steckt. Wenn Design nicht das visualisiert, was die Idee ist (oder es nicht zumindest versucht), sondern nur mit grafischen Effekten Blendwerk betreibt, dann ist es imho kein Design, sondern Dekor, Nippes, Tand.

    Ich gebe gerne zu, dass ich schon so manches Design auf den ersten Blick anbetungswürdig gefunden habe, aber nach einer gewissen Zeit habe ich genug von diesem Rokokko und sehne mich nach nach Klarheit – Das Klassische, das weniger Aufdringliche und weniger Auffällige soll den Inhalt untersteichen, ihn gut zur Gletung bringen, sich selber aber nicht zu sehr in den Vordergrund drängeln. Design erfüllt mE keinen Selbstzweck – allerdings finde ich es in der Praxis schon manches mal ziemlich schwierig das richtige Maß zu finden und komischerweise ist es bei der eigenen Webseite noch schwieriger als bei einer Kundenwebseite. Die eigene Seite ist da dann doch oft ein Chamäleon und muss da leider für sehr viele Experimente herhalten 😉

  13. Christian
    14. September 2010 um 04:05 Uhr

    Ich betreibe mal Leichenschändung … *g*
    Sehr guter Beitrag und ich bin froh, dass ich nach meinem Datenbank Crash diesen Blog wieder gefunden habe.
    Ich möchte nochmal komplett neu anfangen und suche bei dieser Gelegenheit nach neuen Ideen, weil mir die meisten Webseiten nur noch ein müdes Gähnen entlocken, da soviel 08/15 geworden ist.
    Lese jetzt schon ne Weile hier alles durch und freue mich, dass du hier soviele Infos und Tipps hast und das sogar in deutsch. 😀
    Meiner Meinung nach sollten zumindest die privaten Webmaster etwas mehr Mut beweisen.

  14. Peter
    14. April 2011 um 21:37 Uhr

    Ich bin gerade zufällig auf den Beitrag gekommen und muss vollkommen zustimmen. Wir bieten selbst einzigartiges Webdesign an aber viel Spielraum hat man oft nicht, das sich viele Kunden nicht so recht zu etwas Besonderem wagen.