Gutes Design ist mehr als nur Geschmacksache.
Da ich hier quasi der Neue bin, möchte ich erstmal erzählen was ich persönlich unter gutem Webdesign verstehe. Design ist ein breites Thema, wo für ein gutes Ergebnis, viele Elemente ineinandergreifen müssen. Ich habe einige Dinge herausgegriffen, auf die ich selber viel Wert lege. Zu jedem Punkt findest du nützliche Links, die weiter auf das Thema eingehen oder kostenlose Ressourcen anbieten.

Der erste Anblick einer tollen Webseite kann sich schon mal wie die vielzitierte Liebe auf den ersten Blick anfühlen. Du siehst sie und denkst sofort: Wow! Was für ein Design. (also die Webseite). Diese Empfindung beruht weitgehend auf dem persönlichen Geschmack, setzt aber auch gestalterische Grundlagen voraus.
Natürlich wird man nicht gleich von jedem guten Webdesign vom Hocker gerissen. Oft zeichnet sich eine tolle Gestaltung auch durch Abwesenheit oder Unauffälligkeit aus. Es bleibt ein angenehmes Gefühl bei der Bedienung ohne dass einem unmittelbar bewusst ist, dass es am Design liegt.
Das Schriftbild einer Webseite ist mir sehr wichtig. Immerhin ist der einzige Existenzgrund einer Webseite die Darstellung von Informationen. Und die erfolgt heute noch hauptsächlich in Textform. Das Schriftbild hilft die Informationen darzustellen, ihre Wichtigkeit hervorzuheben oder die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich zu ziehen.
Ich kann mich noch an die guten Webdesigns der Jahrtausendwende erinnern. damals waren Pixelfonts im Trend und gaben jeder Seite den perfekten Schliff. Nützlich waren sie nicht – die Texte verschwanden teils komplett in den futuristischen Designs. Das ist natürlich ein Extrembeispiel aber auch heute in Zeiten von fontface und der Möglichkeit, Webtext in beliebigen Schriften anzuzeigen, wird Vieles falsch gemacht.
Mittlerweile gibt es zahlreiche Blogs, die sich für bessere typografische Gestaltung einsetzten. Sei es mit Informationen oder mit freien Schriftarten zum Download.
Mit der Zeit haben sich verschiedne Stile im Webdesign gebildet. Beliebt sind zum Beispiel Grunge, Minimalismus, Glossy Web 2.0 Design oder auch Illustriert.
Einen eigenen Stil zu haben ist nicht leicht und auch nicht immer von Vorteil. Ich finde es daher vollkommen in Ordnung, wenn man sich an vorhandene Stilrichtungen orientiert. Legst du dich auf einen Stil fest, solltest du ihn auch durchziehen. Wenn du eine Stilrichtung nur halbherzig verwendest oder mit einer Anderen mischst, kannst du dir schnell die ganze Gestaltung versauen.
Die hohe Schule ist es, wenn du einen gegebenen Stil nimmst und ihn mit eigenen Ideen weiterentwickelst. Das ist aber gar nicht so leicht.
Klein aber oho. Ich bin ein großer Fan durchdachter Details. Kleine Dinge, die kaum auffallen aber entscheidend zum Gesamteindruck beitragen. Das müssen nicht zwangsläufig optische Elemente sein, auch Details der Benutzbarkeit oder die schlaue Verwendung von Inhalten zählen dazu.
Für viele kleine Webseiten oder schmale Budgets ist es natürlich unrealistisch das jeder Button und jedes Eingabefeld durchdacht und optimiert sind. Wenn du aber die Gelegenheit hast, dann nutze Sie und punkte mit feiner Detailarbeit.
Das vielleicht am meisten unterschätzte Designelement im Web: Der Text. Der englische Begriff copy trifft das, was ich meine, etwas genauer. Das deutsche Wort Werbetext klingt im ersten Moment irritierend. Aber genau das ist der Sinn der meisten Texte Internet: Die Tagline der Webseite wirbt für die Seite an sich. Die Überschrift wirbt dafür, dass der erste Absatz gelesen wird. Der erste Absatz wiederum wirbt dafür, dass der Nächste gelesen wird und so weiter.
Wie Jakob Nielsen bereits 1997 festgestellt hat, werden Texte im Web nicht gelesen sondern überflogen (engl. skimming). Eine kreative Formulierung hat also bessere Chancen gelesen zu werden als ein langweiliger und dröger Absatz. Und überhaupt sollte jeder Text so kurz wie möglich und so überfliegbar wie möglich geschrieben sein. Letzteres erreichst du mit hervorgehobenen Wörtern und Textauszeichnungen aller Art.
Bei gutem Webdesign sind Titel, Überschriften und Kategoriebezeichnungen Teil des Designprozesses und damit Teil der Gestaltung an sich.
Zu Beginn der Web 2.0 Zeit herrschte im Netz der übertriebene Realismus in Form von extremen Spiegelungen, Schlagschatten und Farbverläufen. Ihm folgte der subtile Realismus. Du erkennst ihn an optische Effekte, die so vorsichtig eingesetzt werden, dass sie kaum auffallen aber trotzdem einen Mehrwert bieten.
Schatten erzeugen eine leichte Räumlichkeit und heben Elemente hervor, Farbverläufe simulieren Lichteinfall und Texturen simulieren reale Materialen wie Papier, Holz und so weiter. All diese Dinge funktionieren nur gut, wenn sie vorsichtig und aufeinander abgestimmt eingesetzt werden. Ein übertriebener Effekt kann ein ganzes Design ruinieren.
Das waren die wichtigsten Punkte, die für mich ein gutes Webdesign ausmachen. Aber wie Eingangs erwähnt, ist das eine subjektive Angelegenheit. Was gefällt dir besonders gut und worauf legst du bei einem Webdesign wert?
Rebecca
1. Juli 2011 um 11:05 UhrToller Artikel, der sich nicht nur fürs Webdesign lohnt!
Marcel
1. Juli 2011 um 13:47 UhrEin Versuch, gutes Webdesign zu definieren
“Gutes Webdesign berücksichtigt inhaltlich sowie visuell die Bedürfnissen der Besucher”
Stadtpirat
1. Juli 2011 um 14:27 UhrGuter Artikel. Jetzt muss ich mir nur noch die verlinkten Seiten durchlesen
Luka
1. Juli 2011 um 14:56 UhrAlso ich würde sagen gutes Webdesign ist benutzerfreundlich, d.h. jeder findet sich sofort zurecht, egal in welchem alter. Und dann sollte es der Zielgruppe gefallen, sonst nützt es ja nichts und verfehlt sein ziel.
Mit freudlichen Grüßen
Luka
Felix Lange
1. Juli 2011 um 15:57 UhrSchöner Artikel mit interessanten Links. Stimme dir eigentlich in allen Punkten zu.
Claus
1. Juli 2011 um 17:13 UhrSchöner Artikel – der “7 Surefire Web Design Styles that Work” Artikel ist aber ein bisschen sehr veraltet.
Florian
4. Juli 2011 um 21:13 UhrIch habe vier neue Feeds jetzt. Danke für diesen Artikel!
Kevin
10. Juli 2011 um 19:41 UhrGeht mir genau wie Florian. Der Artikel ist wirklich klasse!
daniel
17. Juli 2011 um 21:02 UhrToller Artikel! In einen Satz gesagt, muss Webdesign die Kunden überzeugen. Nur dann ist es das ideale Webdesign!
Frank
2. August 2011 um 23:52 UhrLeider lassen viele Kunden einem kaum eine Wahl seinen eigenen Stil zu verwirklichen. Ich versuche dann immer zu erklären was gut und schlecht für eine Website ist, was manche dann auch annehmen, aber die Geschmäcker sind natürlich auch in diesem Bereich verschieden.
Aber der Artikel ist gut.
Adrian
4. August 2011 um 21:21 UhrWichtig ist vor allem, das den Wünschen des Gastes entsprochen wird. Daher muss Webdesign, auch wenn viele optische Effekte vielleicht beeindruckend aussehen, am besten ohne zeitfressende, riesige PNG-Grafiken auskommen und sich möglichst an gestaltlerischen Standards orientieren.
Dieses Blog ist z. B. sehr schön designt, aber bei der Usability gibt es noch viel Raum nach oben, besonders bei der Navigation.
Wobei, wie ich sagen muss, die Schönheit des Designs bei einem Webdesign-Blog u. U. wichtiger sein kann als Usability.
Sascha Fuchs
11. August 2011 um 00:34 UhrGutes Webdesign sollte erstmal zu dem passen für das es gemacht wird. Es sollte Handwerklich und technisch solide sein und dennoch den Anspruch Erfüllen eine Individuelle Note zu erfüllen.
Wenn man ein Webdesign nicht als solches Wahrnimmt und sich dennoch wohlfühlt, dann hat man etwas hervorragendes Geschaffen. Letztlich geht es ja um eines, dem Content eine adäquate Verpackung zu verpassen.
Christian
18. September 2011 um 12:05 UhrMein Vorposter hat mMn absolut recht. Gutes Webdesign ist wie ein guter E-Bass in einem Rocksong. Es drängt sich nicht auf und man merkt erst was man daran hatte, wenn es fehlt. Danke für diesen tollen Artikel. Er hat mein Bookmarksammlung stark erweitert.
webdesign_ffm
12. Oktober 2011 um 23:31 UhrSprechen wir von Design oder Webdesign!? Im Web ist die Gestaltung enger an die Funktionalität gebunden, im Vergleich z.B. zum Printdesign. Web-Usability, am besten keine Vorladezeit, Übersichtlichkeit, Individualität und wie schon erwähnt: Themenbezogenheit – Assoziationen mit dem angebotenem Produkt wecken!
Meiner Meinung nach pass das Zitat von Frank Lloyd Wright am besten zum Webdesign:
“Form folgt Funktion – das ist oft missverstanden worden. Form und Funktion sollten Eins sein, verbunden in einer spirituellen Einheit.”
Vielen Dank für die Dankansätze und die vielen Links!
webdesign_ffm
12. Oktober 2011 um 23:34 Uhrach ja, die Lesefreundlichkeit!!!
Astrid Radtke
3. Januar 2012 um 09:45 UhrVielen Dank für diese ausführliche Analyse. Das sollte JEDER lesen, der eine Website erstellen möchte oder über ein Relaunch nachdenkt.
Die Problematik sehe ich in vielen Seiten – und ich sehe mir sehr viele an, weil ich qualifizierte Bürodienstleister suche, dass bei Typographie und Textgestaltung (mal ganz abgesehen von Design) viele nicht daran denken, dass das mal ein Ausbildungsberuf war. Sicher bezog er sich auf die Druckerbranche, aber die Lesbarkeit eines Textes ist auch ein wesentliches Kriterium im Netz.
Wie Sie ganz richtig schreiben: weniger ist manchmal mehr. Nirgends gilt der Satz mehr: es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck – und wenn der negativ ausfällt, kommt dieser Besucher (potentielle Kunde) nie wieder.