Mit Preisvergleich zur besseren Offerte

Wie finde ich einen angemessenen Preis? Die Frage ist nach wie vor ein heißes Thema unter Webdesignern. Dieser Beitrag bringt Licht ins Dunkel.

Die Nachfrage nach Webdienstleistungen hat in den letzten 15 Jahren eine ganze Branche geschaffen, angesiedelt zwischen IT und Kommunikation. Die zunehmende Bedeutung des Internets in der Geschäftswelt führt dazu, dass die Kunden inzwischen genau darauf achten, wie ihre Website umgesetzt wird. Das bringt mehr Wettbewerb unter den Webdienstleistern. Der bessere gewinnt. Was besser heißt, entscheidet der Kunde.

Die Entscheidungen für oder gegen einen Vorschlag sind für Außenstehende manchmal schwer nachvollziehbar, meistens aber doch logisch. Und der Preis spielt dabei seine Rolle. Klar, ein paar hundert Euro mehr oder weniger sind nicht ausschlaggebend, fassbare Preisdifferenzen sind mehr Verhandlungssache als Killerkriterium. Verschätzt der Webdienstleister sich aber in der Dimension, ist auch sein Umsetzungsplan falsch ausgelegt und das Angebot schießt am Ziel vorbei. Entweder zu hoch oder zu tief.

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ÜBER DEN AUTOR
Dies ist ein Gastartikel von Rudolf Bösiger von der Firma Bösiger Engineering AG in CH-Bern zum Thema Preiskalkulation im Webdesign. Die Firma erhebt über ihre Website www.webkalkulator.com Webprojekte von Kleinfirmen
in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Kennen Sie das? Oder fragen Sie sich bei der ersten Einschätzung einer Anfrage generell, in welchem Budgetbereich das Webprojekt anzusiedeln ist – und zwar aus Kundensicht? Dann werfen Sie zuerst einen Blick in den Markt für Webprojekte. Grundsätzliche Informationen können nie schaden. Eventuell liefert die Marktrecherche sogar einige Anhaltspunkte zur Ausgestaltung Ihres Angebots. Hier ein Schnelleinstieg auf Basis unserer Erhebung im Internet:

Was Firmen ausgeben

4350 Euro geben deutsche Kleinfirmen durchschnittlich für ihre Website aus. Gut zu wissen, bringt aber im konkreten Fall keine brauchbare Erkenntnis, dieser Durchschnittswert ist schlicht zu weit gefasst. Mehr Aufschluss gibt die Verteilung der Budgets nach Firmengröße: Bei fast Dreiviertel der kleinen Einzelfirmen (innerer Ring) sind die Webbudgets kleiner als 2500 Euro, bei Kleinfirmen mit einem Umsatz zwischen 100 Tausend Euro und 1 Mio Euro (mittlerer Ring) ist die Verteilung der Budgets schon weiter gestreut, die Dreiviertel-Grenze wird erst bei 5000 Euro erreicht. Für Firmen mit einem Umsatz größer 1 Mio Euro (äußerer Ring) sind die Webbudgets über die Budgetklassen ab 2500 Euro gleichmäßig verteilt, Webbudgets unter 2500 Euro aber kaum ein Thema.

Aus betriebswirtschaftlichen Gründen leuchtet es ein, dass der Firmenumsatz ein maßgebender Faktor bei der Budgetfestlegung ist, vor allem wenn es um die Budget-Obergrenze geht. Aber auch die Branchenherkunft und die Marktausrichtung haben ihren Einfluss: Verwaltung und IT geben beispielsweise rund das Doppelte für ihre Webprojekt aus als Betriebe des Gastgewerbes, des Handwerks oder soziale Einrichtungen. Aus Kundensicht gibt es also eindeutige Klassierungsfaktoren. Die anfragende Firma wird’s Ihnen verdanken, wenn Sie darauf eingehen.

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Was Webdienstleister verlangen

Das durchschnittliche Webbudget eines Freiberuflers liegt bei 2700 Euro, dasjenige einer kleinen Agentur bei 5800 Euro. Der Unterschied ist eindeutig und offenbart: Freiberufler legen ihre Webprojekte anders aus als Agenturen. Webprojekte von Freiberuflern sind Einpersonenprojekte, Webprojekte von Agenturen sind Mehrpersonenprojekte; diese setzen ihre Webprojekte mit mehreren Fachkräften um. Der Unterschied zwischen Freiberuflern und Agenturen ist denn nur zum kleineren Teil auf höhere Stundensätze zurückzuführen, die Differenz bei den Honoraren beträgt nur 40% (gerundete 70 vs. 50 Euro) und begründet damit nur einen Teil des ungleichen Budgetdurchschnitts.

Zur Budgetstruktur: Die meisten Freiberufler-Projekte spielen sich im Bereich 500-2500 Euro ab (innerer Ring), nur ein Drittel der Projekte sind höher veranschlagt. Anders bei den kleinen Agenturen (äusserer Ring), wo die Budgets über die Budgetklassen ab 1000 Euro gleichmäßig verteilt sind.

Freiberufler-Webprojekte sind fraglos anders positioniert als Agenturprojekte. Es ist anzunehmen, dass sich viele Kunden schon vor der Anfrage festlegen, welche Anbieterkategorie in die Auswahl kommt. Wollen Freiberufler bei den höheren Budgets mit den Agenturen konkurrieren, müssten sie sich zusammentun und im Netzwerk gemeinsam auftreten. Am wahrscheinlichsten konkurrieren sich Freiberufler und Agenturen bei Anfragen im Budgetbereich 1500-3000 Euro.

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Noch ein Hinweis zum Einsatz von Fachkräften als Qualitätsmerkmal: Generell lässt sich der Schluss ziehen, dass höhere Budgets durch (technische) Spezialisierung zustande kommen, in der Breite durch die Anzahl eingesetzter Fachkräfte und in der Tiefe durch die Qualität von eingesetztem Fachwissen. Zwei Anhaltspunkte dazu: Erstens, für CMS-Websites wird rund das doppelte ausgegeben als für Websites ohne CMS-Anforderungen, das gilt für den Einsatz von Drupal, Typo3 und etwas weniger für Joomla!, aber nur bedingt für Contao-Projekte. Zweitens, Anbieter, die sich der Kommunikationsbranche zurechnen, generieren die rund 25% kleineren Budgets als Anbieter aus der IT-Branche.

Fazit

Vielfältiges Webdesign! Unterschiedliche Budgetwelt. Kein Wunder, dass die Einschätzung einer Anfrage nicht immer gelingt. Manchmal aber auch aus Eigenverschulden. Nicht selten wird eine Anfrage sofort mit dem bestehenden Angebot abgeglichen und darauf basierend der Vorschlag erarbeitet. Drehen Sie zuerst auf Marktsicht und beurteilen Sie die Situation vom Kunden aus. Der Preisvergleich ist eine Chance, Anfragen allgemeingültiger anzugehen und damit Kundenbedürfnisse, vor allem die unausgesprochenen, ganzheitlicher zu beurteilen.

16 Kommentare

  1. Marc
    20. Januar 2011 um 23:59 Uhr

    Ganz interessant zwar, aber ein paar Worte zur Stichprobe wären ganz nett. Woher kommen die Daten?

  2. Rudolf Bösiger
    21. Januar 2011 um 08:44 Uhr

    Die Daten kommen aus dem Internet. Inzwischen haben wir 7000 Projekte erhoben und statistisch ausgewertet. Zwar nur deskripitiv, aber der Trend wird auch so wiedergegeben.

  3. ofis koltuklari
    21. Januar 2011 um 08:59 Uhr

    ar Worte zur Stichprobe wären ganz nett. Woher kommen die Daten?

  4. Thomas
    21. Januar 2011 um 11:04 Uhr

    Interessant, mich würden aber auch noch Details zu den umgesetzten Projekten interessieren. Sprich: Was bekommt der Kunden denn für das Budget. Werden CM-Systeme eingesetzt? Wieviel Design-Leistung wird erbracht, werden innerhalb des Budgets auch eigene Erweiterungen entwickelt.
    Wird Suchmaschinenoptimierung angedacht / berücksichtigt usw.
    Schöne bunte Webdesign-Welt, Webprojekt ist nicht gleich Webprojekt 🙂

    Sonst aber ein sehr interessanter Beitrag! Danke!

  5. Lunkejung
    26. Januar 2011 um 16:12 Uhr

    Ohne Preisvergleich wird es keine sich selbst regulierende Preise in einer Sparte geben, deshalb ist es eines der A und O’s bei einer Offerte!

  6. Robert
    27. Januar 2011 um 11:32 Uhr

    Interessante Zahlen, die ich aber zum Teil so nicht unterschreiben würde. Durchschnittlich 2700 Euro als Webbudget bei Freiberuflern ist eine stattliche Zahl, die zumindestens bei Startern selten locker sitzt.

  7. gedit:logs
    29. Januar 2011 um 16:15 Uhr

    Wie meinen Vorgänger: würde mich auch Interessieren woher die Zahlen stammen. Fazit, wo sind die Quellen und Weiterführende Links?
    Die Grafiken sind recht anschaulich, mir fehlt aber eine Legende; die ich mir im Moment noch mühsam aus dem vorherigen Text ziehen muss.
    Abschließend: Danke für das Thema, die Zusammenfassung und die neuen Perspektiven die sich hinsichtlich der Preiskalkulation auftun.

  8. Marcel
    30. Januar 2011 um 15:00 Uhr

    Wichtig ist für die Firma, dass durch eine neue Webseite oder
    durch eine Verbesserung der bisherigen Internetpräsenz mehr Gewinn erzielt werden kann.
    Die entscheidende Frage ist doch: Wieviel mehr meiner Produkte oder Dienstleistungen muss ich verkaufen, damit sich meine Investition in die Webseite rentiert.
    Ein Cafe muss dann zum Beispiel ein Jahr lang jeden Monat im Schnitt 30 Gäste mehr bekommen, mit denen etwa 7 Euro verdient wird, dann kann die Webseite höchstens 210*7*12=2520 Euro kosten, damit sich die Sache für den Cafe-Betreiber rentiert.
    Er braucht also 210 Gäste im Jahr mehr, damit sich eine Investition von 2500 Euro lohnt.
    Verkauft ein Immobilienmakler ein Haus für 100.000 Euro mehr, erhält er beispielsweise eine Provision von 3500 Euro,
    deshalb lohnt sich eine Investition von 2500 Euro in die Webseite, schon wenn er davon ausgeht durch eine Verbesserung der Internetpräsenz ein Haus mehr zu verkaufen, als sonst.
    Neben den in dem Artikel beschriebenen Faktoren ist dies
    ein ganz wichtiges Element, bei der Preisfindung für Webauftritte.
    Es kommt also entscheidend auf die Gewinnstückkosten an,
    wieviel der Auftraggeber in seinen Webauftritt investieren möchte.

  9. Patrick
    31. Januar 2011 um 02:23 Uhr

    Sehr schöner Artikel! Es sind gute Richtwerte, an denen man sich meiner Meinung nach jedoch nicht immer orientieren kann. Es kommt immer darauf an, welche Ansprüche der Kunde an die Website stellt und in welchem Zeitrahmen man diese Umsetzen kann. Eine weitere gute Übersicht über die durchschnittlich investierten Beträge für Unternehmens-Websites findet man übrigens auch hier: http://www.webkalkulator.com/ .

  10. Loren
    7. Februar 2011 um 11:56 Uhr

    Hi
    Danke für diesen tollen Artikel mit vielen Infos !

  11. Michael Müller
    7. Februar 2011 um 15:27 Uhr

    Ich traue nur meinen eigenen Preisvergleichseiten. Da weiß ich, dass die wirklich neutral und unabhängig sind.

  12. chris
    22. Februar 2011 um 18:00 Uhr

    mich würde auch interessant woher die zahlen kommen. insbesondere die preise. wirkt ohne quelle für mich unglaubwürdig.

  13. Ralf
    10. März 2011 um 14:39 Uhr

    Diese Übersicht ist wirklich hervorragend! Insbesondere der Unterschied zwischen einem Freelancer und einem Unternehmen ist fein herausgearbeitet. Vielen Dank für deine Mühe!

  14. Frank Viehmann
    31. März 2011 um 16:01 Uhr

    Würd mich auch mal interessieren, woher die Zahlen stammen. Interassant wäre ebenfalls die Zuordnung des Projektumfanges. Schliesslich sind die Anforderungen an eine Webseite doch schon sehr unterschiedlich.

  15. Philipp
    16. August 2011 um 12:09 Uhr

    Brennend würden mich noch die länderspezifischen Unterschiede interessieren, besonders die Unterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz. Das Lohn- und Preisgefüge in CH ist ganz anders, da müssten eigentlich klare Abweichungen nach oben vorliegen.

  16. Sabrina
    26. Oktober 2011 um 10:11 Uhr

    Ganz ehrlich: Der Artikel hält nicht ganz, was er verspricht. Das Fazit ist, dass man jeden Kunden individuell und jede Anfrage einzeln berechnen sollte. Genau das macht die Branche schohn seit 15 Jahren.

    Da der Aufwand dafür aber manchmal recht hoch ist, und man nicht weiß, ob man den Zuschlag erhält, würde ich noch ergänzen: Zwei bis drei Vorabkalkulationen eines anhand von Templates aufgesetzten Designs sollten Sie dem Kunden immer vorlegen können, damit er einschätzen kann, was er für sein Budget überhaupt erhalten kann. Visitenkarte, Firmenblog oder CMS. Das kann man dem Kunden als Flyer überreichen oder generell auf seiner Webseite veröffentlichen.