Wie rechnest du deine Webdesign Dienstleistungen ab?
Seit langer Zeit schon berechnen Webdesigner ihre Dienstleistungen nach der Anzahl der erstellten Seiten. Typisch sind auch Paketangebote, die bei den Kunden beliebt sind, aber ebenfalls auf der falschen Basis von Seiten abgerechnet werden. Basispaket mit fünf Seiten kostet X, Superpaket mit zehn Seiten kostet Y. Auf den ersten Blick ist diese Herangehensweise an den Preis verständlich, sie ist aber kurzsichtig und birgt einige Gefahren.

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Keine Seite gleicht einer anderen. Je nach Anforderung unterscheidet sich der Aufwand und die Komplexität für das Erstellen einer einzelnen Seite erheblich. Denke nur an den Unterschied zwischen einer Bildergalerie und einer simplen Impressumsseite. Dazu können komplexe Datenbankabfragen und andere – auch ungewöhnliche – Kundenwünsche kommen. Rechnet man hier auf Basis der Seitenanzahl ab, kann man sich schnell verrechnen oder den Aufwand falsch abschätzen.
Eine Inhaltsseite für News muss nur einmal erstellt werden, egal wie viele einzelne News schließlich auf der Webseite landen. Dagegen muss eine Produktlandeseite (Landing Page) aufwendig geplant, gestaltet und am Ende in verschiedenen Varianten erstellt werden. Auch an diesem Beispiel wird klar, wie unsinnig die Anzahl der Seiten als Grundlage für die Preisberechnung ist.
Webseiten als Seitenpakete anzubieten, ist nicht nur ein ungenauer Weg der Preisgestaltung, du läufst auch Gefahr, keinen Gewinn zu erwirtschaften.
Wenn du Webseiten als quantifizierbare Einheiten verkaufst, positionierst du dich selbst als Webdesignsupermarkt und nicht als professioneller Webentwickler. Sobald du einen festen Preis für eine fünfseitige Internetpräsenz nennst, wirst du mit allen anderen Angeboten für fünf Seiten verglichen. Der Preis rückt dann unweigerlich in den Vordergrund und verdrängt das eigentlich wichtigere Verkaufsargument: Dein professionelles Wissen.
Festpreise werde immer von irgendjemand unterboten, deine einzige Möglichkeit mitzuhalten: Preissenkung. Einmal in der Preisspirale gefangen, hast du schlechte Vorraussetzungen um ein profitables Unternehmen aufzubauen.
Du lässt deine – womöglich jahrelange – Erfahrung außen vor und stellst dich auf eine Ebene mit allen anderen Fünfseitenangeboten da draußen.
Als das Internet noch neu war, war die Einheit “Seite” noch sinnvoll. Webseiten waren statische HTML-Dokumente mit Text und Bildern. Heute gibt es eine unüberschaubare Flut von Inhalten und Abläufen, die sich auf einer Seite befinden oder hinter den Kulissen stattfinden können. Audio, Video, interaktive AJAX-Elemente, Abfragen dritter Dienste über APIs, Datenbanken, CMS, eingebundene soziale Netzwerke und so weiter. Eine Seite ist keine stabile Einheit mehr.
Wenn die Anzahl der Seiten als einzige Berechnungsquelle wegfällt, müssen andere Größen herangezogen werden. Hier wird es schwierig, denn die Angabe von Zeit als Arbeitsaufwand ist ebenfalls fragwürdig. Was kann sich der Kunde schon unter zehn Stunden Design und Entwicklung vorstellen? Für den einen mag das erstaunlich wenig Zeit sein, andere empfinden zehn Stunden als maßlos viel. Ich persönlich tendiere daher zu festen Projektpreisen.
So oder so, ob du nun nach Zeit oder Projekt abrechnest, solltest du die Features hervorheben: Wenn du die Funktionen betonst, kannst du Kundenwünsche einbauen und trotzdem einen Projektpreis festlegen. Du hast dabei den Vorteil, dass dein Angebot sehr individuell ist und nicht ohne Weiteres mit jedem Billigwebdesignangebot in Konkurrenz steht.
Verkauf dich nicht unter deinem Wert. Berechne Projekte nach dem wahren Aufwand und schätze ihn nicht einfach anhand der Seitenanzahl ein. Berechne dem Kunden individuelle Projektpreise, die dein Können berücksichtigen. Gutes Webdesign hat seinen Preis – verkauf dich nicht unter deinem Wert.
Til
2. November 2011 um 09:57 UhrHi,
danke für deinen klasse Beitrag. Da sprichst du mir wirklich aus der Seele. Aber nicht nur der bediente Endkunde macht den Preis es gerne an der Anzahl Seiten fest, sogar Agenturen haben immer noch die Vorstellung, dass man das so abrechnet. Naja, dann liegt es an unserem Gewerk dies nun endlich anders darzustellen und zu vermitteln.
Viele Grüße,
Til
Vincent
2. November 2011 um 22:13 UhrGuter Beitrag. Aber ich halte es für selbstverständlich nicht in Seiten sondern allgemein über “Zeit” oder Gesamtpreis zu berechnen. Am besten ist eine Kalkulation am Anfang, und dann am Ende die Rechnung, wenn aufwändige Arbeiten dazukamen (=teurer)..
Grüße, Vincent
Dagmar
3. November 2011 um 13:19 UhrFreue mich, dass mal offen darüber diskutiert wird. Die Kunden zahlen nicht mehr gern für Dinge, die es bei 1+1 “umsonst” gibt. Wir bieten einen Projekt-Grundpreis (das reine CMS mit Design in zwei Korrekturläufen) und haben eine Preisliste, so eine Art Baukasten für Spezialfeatures. Grafikbearbeitung berechnen wir nach Aufwand (da kommt fast immer Unbrauchbares). Und wir weisen darauf hin, dass alle Zusatzwünsche nachkalkuliert werden müssen.
Gruß
Dagmar
Lukas
4. November 2011 um 17:43 UhrAngebot mit Preis X und ca. benötigte Zeit Y. Kommen im Verlauf des Projekts zusätzliche Kundenwünsche hinzu – und das war bei mir bisher fast immer der Fall – wird pro Stunde abgerechnet. Hatte mit diesem “System” bisher nie Probleme, und die Abrechnung über die Anzahl der Seiten zu machen, halte ich sowieso schon immer für absurd.
Matklenk
9. November 2011 um 13:04 UhrWieso nicht einfach der gute alte Stundenlohn?
Vorher abzuschätzen wieviel Zeit ein Projekt in Ansrpuch nimmt finde ich sehr schwierig. Bei unerfahrenen Kunden ändert sich die Projektgröße mit jedem Gespräch.
Cheers
Christian Schulze
10. November 2011 um 01:31 UhrWeil die meisten Kunden einen Preisrahmen bevorzugen – Die Abrechnung auf Zeitbasis ist Ihnen zu riskant.
webdesign_ffm
23. November 2011 um 03:19 UhrDas Problem liegt doch in dem Vorwissen des Kunden. Er zahlt nur das was er sieht – von Background (zB Quellcode) hat er keine Ahnung… Vielleicht tut da eine bessere Aufklärung gut?
Stefan
28. November 2011 um 13:25 UhrDa muss ich zustimmen. Man sollte nicht nach Anzahl der Seiten sondern nach Aufwand des Projektes berechnen. Kann sein, dass eine Webseite zwar nur 5 Seiten hat, die Inhaltliche Gestaltung aber sehr hoch ist. Gerade die individuell und passend zugeschnittene Gestaltung jeder Seite – die Abwechslung der Inhalte mit passenden Grafikelementen, die optimierten Inhalte etc. sind ja auch der Grund dafür einen Webdesigner aufzusuchen. Alles andere kann man mit einem vorgefertigten Design und reingeschmissenen Text auch wesentlich billiger bekommen.