Braucht man noch eine eigene aufwändige Website? Teil2

  • von Lennart Prange

Mein Artikel “Braucht man wirklich noch eine eigene Aufwändige Website” erfreut sich großer Beliebtheit und wurde auch von anderen Blogs, wie Selbstständig im Netz, aufgegriffen. Angesichts der Diskussion halte ich es aber für nötig, die Überlegungen noch etwas weiter zu vertiefen.

Das jeder Webdesigner eine eigene Website braucht, ist meiner Meinung nach beschlossene Sache. Allerdings haben viele das Wort aufwändige in der Überschrift vergessen. Ein kleines aber wichtiges Detail. Es geht also nicht unbedingt um die Frage, ob ein Webdesigner noch eine eigene Webseite benötigt, sondern darum, wie viel Arbeit in die eigene Website gesteckt werden sollte.

Viel Spaß mit dem Artikel. Kommentare und Social Bookmarks würden mich sehr freuen.

Was ist eine gute Website?

Warum ich überhaupt auf die Idee komme, euch ein One-Page Portfolio nahe zu legen und die Bemühungen bei der Gestaltung der eigenen Website etwas zu verringern muss erstmal geklärt werden.

Viele Webdesigner sind der Meinung, dass eine gute Internetseite an die Bedürfnisse des Kunden angepasst ist. Ich halte diese Annahme für vollkommen falsch. Meine Meinung:

Eine gute Webseite ist immer an die Bedürfnisse des Endnutzers angepasst

Eine Website bekommt nur dann viele Besucher, wenn der Endnutzer damit zufrieden ist. Wenn er sich wohl fühlt. Eine Firma kann durch eine Website nur neue Kunden gewinnen, wenn die Website dem Endnutzer gefällt. Das ist ein Problem. Man muss dem Kunden eventuell etwas verkaufen, dass ihm persönlich nicht gefällt. So was ist schwer, aber trotzdem nötig.

Das ist auch der Grund, warum einige Webseiten sehr erfolgreich sind, obwohl Webdesigner sie einstimmig für hässlich und schlecht erklären. Das ist auch der Grund, warum es extrem viele negative Kritiken von Webdesigner auf dem Designtagebuch gibt. Kritiken, die eine Firmenwebsite als schlecht darstellen, weil sie hier gegen eine Gestaltungsregel verstößt, da einen unnötigen Flash Effekt hat und nicht barrierefrei ist. Vielleicht vergisst man dabei aber die Zielgruppe der Website. Eine Zielgruppe, die zu 99% Flash installiert und aktiviert hat. Eine junge Zielgruppe, die auf Animationen steht und dafür lange Ladezeiten in Kauf nimmt. Eine Website muss immer auf die Zielgruppe zugeschnitten sein. Eine Grundregel, die viele einfach ständig zu vergessen scheinen.

Eine gute Website erreicht das Ziel.

Die Nutzer müssen sofort erkennen, wo sie sind. Sie müssen sofort denken “Hey, hier bekomme ich, was ich haben will”. Dann ist das erste Ziel erreicht. Jede Website hat andere Ziele. Ein Webdesigner will sich und seine Kompetenz präsentieren und den Kunden zum Kontaktieren bringen. 

Was hat das mit meinem vorletzen Beitrag zu tun?

Ganz einfach. Die Website einer Internet-Agentur sollte gut sein. Sie sollte nicht für den Kunden, also sich selbst (hört sich komisch an, aber man ist halt sein eigener Kunde), sondern für den Endnutzer gestaltet sein. Das vergessen anscheinend viele. Deswegen gibt es auch viele Agenturseiten mit absolut übertriebenen Effekten und Flash Animationen, die wirklich keiner braucht.

Das One-Page Portfolio

Ich sage: Dem Endnutzer wird ein One-Page Portfolio gefallen. Man kann es einfach benutzen, es enthält das Wesentliche und lässt unwichtige Dinge weg. Fast kein potenzieller Kunde wird seitenlange Texte über die Agentur oder zu verschiedenen Projekten lesen wollen. Fast kein potenzieller Kunde wird sich für die aktuellen Neuigkeiten in der Agentur interessieren. Dem Endnutzer ist der Google Rank egal. Euch kann das auch egal sein. (Achtung: Ich schweife kurz vom Thema ab) Wie häufig habt ihr schon Kunden über Google bekommen? Wenn eure Seite gut gerankt ist kann das schon mal sein, aber ich halte es nicht nur für ein Gerücht, dass man sich dann auch auf Anfragen bezüglich eines Praktikums gefasst machen kann. Ich halte es auch nicht für ein Gerücht, dass man dann mit Sponsoringanfragen rechnen muss. Alles hat zwei Seiten. SEO ist aufwändig und für Agenturen kaum sinnvoll.

Zurück zum Thema: Ein One-Page Portfolio ist sehr effektiv. Die Gestaltung geht schnell, auch wenn man sich einige Gedanken machen sollte. Auch ein One-Page Portfolio sollte nicht einfach so hingeklatscht werden. Unterschätzt das nicht! 
Die Umsetzung braucht ebenfalls nicht viel Zeit. Ein One-Page Portfolio ist einfach zu bedienen. Man kann übrigens auch ein One-Page Portfolio mit einer Navigation ausstatten. Bei Visual Elixir kann der Besucher den Scrollbalken oder die Navigation zum Navigieren verwenden. Warum die Seite außerdem ein Beispiel für gutes Webdesign ist, könnt ihr hier lesen.

Ein One-Page Portfolio entspricht außerdem am ehesten den Zielen einer Website von Webdesignern. Durch die Referenzen zeigt man direkt seine Kompetenzen. Eine kurze Bio macht das Ganze etwas persönlicher und die Kontaktinformationen mit Kontaktformular sollen den Kunden mehrere Möglichekeiten bieten, um mit dem Webdesigner in Kontakt zu treten. 

Win-Win Situation

Wenn meine Annahmen stimmen, ist ein One-Page Portfolio einfach die beste Wahl. Weniger Arbeit, dafür eventuell mehr Kunden durch prägnantere Kommunikation.

Sonstiges

Ein paar Sachen möchte ich noch ergänzen.

Redesign

Thomas Scholz hat folgendes richtig erkannt:

Eine Webseite ist ein Prozeß, kein Zustand. 

Diese Aussage unterstütze ich. Trotzdem müssen die ewigen Redesigns nicht sein. Man muss auch die Kosten und Nutzen sehen. Viele haben einen Hang zum Perfektionismus. Diesen wird man nie erreichen und trotzdem suchen die Leute weiter danach. Deshalb erscheint jedes halbe Jahr eine neue Version, die manche Sachen schlechter und manche besser macht. Und die Redesigns passieren nur, weil dem Webdesigner seine eigene Seite nicht gefällt. Solche Redesigns kosten immer Nerven und viel Zeit. Diese Zeit könnte man auch besser einsetzen.

Es bringt auch meistens nichts an seiner Website Kleinigkeiten zu verbessern, die keine Wirkung entfalten. Bei jeder Verbesserung sollte man sich fragen: Was bringt es mir, was kostet es mich.

Kunden erkennen keine Qualität

Peer und auch ziczac können meine Aussage, dass Kunden meistens keine Qualität erkennen, nicht nachvollziehen. Peer spricht sogar von mangeldem Respekt vor den Internetnutzern.
Dass sich die Aussage nicht auf alle Kunden bezieht, sollte eigentlich durch den Zusatz “die meisten” deutlich werden.

Dass ich mangelnden Respekt habe, lasse ich mir nur ungern zu unterstellen. Ich denke, dass die Aussage einfach stimmt. Viele Kunden wissen nun mal nicht, was gutes Webdesign ist. Das ist doch auch völlig Ok. Wir sind dafür da, um ihnen das zu vermitteln und vor allem um ihnen das zu liefern.
Viele Internetnutzer können theoretisch gutes Wedesign auch nicht von schlechtem Webdesign unterscheiden. Sonst wäre die Internetwelt auch sehr einfach. Alle Gestaltungsregeln einhalten und schon hat man die perfekte Website? Falsch. Noch mal: Den Nutzern muss das Design gefallen. Deswegen legen die Nutzer auch fest, was gutes Webdesign ist.

11 Kommentare

  1. Flowsen
    28. April 2009 um 17:10 Uhr

    “Sie sollte nicht für den Kunden, also sich selbst (hört sich komisch an, aber man ist halt sein eigener Kunde), sondern für den Endnutzer gestaltet sein.”

    Für mich wohl der Kernsatz! Als Webdesigner erstellen wir eigentlich die Seite für die (potentiellen) Kunden unserer Kunden. Das ist auch etwas, was ich meinen Kunden sehr früh erkläre, so fällt es auch vielen leichter Entscheidungen mir als Webdesigner zu überlassen.

    Gerade wo ich hier auf der Couch sitze frage ich mich aber, ob diese “Onpage”-Sache (die ich übrigens sehr gut finde) nicht auf für unsere Kunden interessant sein könnte. Wie ja schon berichtet wurde, ist die Kundengewinnung mit “großen” Sites nicht immer ein erfolgsgarant. Aber wenn das bei uns als Webdesinger gilt, gilt das doch auch bei unseren Kunden?!

    Könnte die “Onpage”-Entwicklung vll. sogar etwas sein, was für viele Branchengruppen interessant sein könnte? Denn wenn man sich mal so umhört, ist es schon erstaunlich wieviel Unternehmen von der primären und effektiven Mundpropaganda leben.

    Viele Grüße
    .-Flowsen-.

  2. Bondi
    28. April 2009 um 19:37 Uhr

    Ich denke, dass wir früher oder später alle auf einem Social Network ala xing unsere eigenen One-Page Portfolios anlegen können.

  3. Marvin
    29. April 2009 um 07:05 Uhr

    XING zusammen mit dem neuen “creattica” vom envato netzwerk bilden die zukunft der online darstellung 😉

    Und nun zum Artikel: Ich meine One-Page Portfolios sind ja nun nich gerade eine Neuerfindung. Domains die nur eine Seite beinhalten gab es ja früher genug. Wer kennt sie nicht? die gute alte Webvisitenkarte aus den 90ern -.- Aber ja, dadurch das das Web gerade (bzw. die letzten Jahre) einen JS Boom mitsichbringt sind One Page Portfolios meiner Meinung nach schon die kompaktesten und besten Lösungen für Wbdesigner!

    Marvins letzter Beitrag..More CSS – Javascript im CSS Stil

  4. Shortee
    29. April 2009 um 11:10 Uhr

    Mir gefallen eigtl. meist Agenturen/Freelancer am besten, die viel zeigen und schreiben. Onepages oder gar Profile in irgendwelchen Communitys interessieren mich nicht wirklich.

    Umso persönlicher und umfangreicher der Auftritt ist (sehr gute Beispiele sind da die Altbekannten: peterkröner.de und praegnanz.de) umso sympathischer und kompetenter kommt derjenige rüber.

    Ich weiss das ist jetzt nicht unbedingt die Kundensicht, aber solche Seiten bleiben bei mir am ehesten hängen.

    Shortees letzter Beitrag..Finkenfamilienausflug

  5. Sebastian
    30. April 2009 um 17:14 Uhr

    @Shortee “Ich weiss das ist jetzt nicht unbedingt die Kundensicht, aber solche Seiten bleiben bei mir am ehesten hängen.!”

    Diese variiert eh immer! Da kannste sagen was Du willst!

  6. Patrick Offczorz
    1. Mai 2009 um 10:16 Uhr

    Wie ich im letzten Beitrag schon erwähnt habe, siehe https://daswebdesignblog.de/braucht-man-noch-eine-eigene-aufwaendige-website/1206.html#comment-4824

    muss ich Dir hier ganz klar nochmal zustimmen. Eine onePage geht schnell und ist einfach zu bedienen.

    3 Punkte sollte die onePage besitzen:
    Referenzen
    Kontakt
    Bio/ Erfahrung

  7. raulifauli
    8. Mai 2009 um 17:07 Uhr

    ha eine tolle diskussionsgrundlage … ich hab oft überlegt, wie man eine webdesign Seite aufbaut und ich gehör auch zu den Leuten, die immer mal was verändern wollen, was aber daran liegt, das man selber ja auch immer mehr Dinge lernt und die eben an den eigenen Seiten ausprobiert.

  8. Kurt
    19. Mai 2009 um 22:01 Uhr

    Mir wäre es lieber, ihr könntet webdesign von screendesign unterscheiden. Dann wäre die Frage eindeutiger zu beantworten. Ja, ein webdesigner braucht eine aufwändige Site, um seine Programmierfähigkeiten zu demonstrieren. Nein, ein Screendesigner braucht keine aufwändige Site, dafür aber eine, die seine Designauffassung klar zum Ausdruck bringt.
    Denn es ist für einen Screendesigner besser, nicht zu viel über Programmierung zu wissen, damit er sich nicht während des Designprozesses zu sehr selbst limitiert.

    • Lennart Prange
      19. Mai 2009 um 22:10 Uhr

      Was ist deiner Meinung nach das Leistungsspektrum von Webdesignern?

      • Kurt
        20. Mai 2009 um 18:02 Uhr

        Antwort: Coden, bis die Schwarte kracht 🙂
        Das Gestalten von Internetauftritten im Sinne einer grafischen Gestaltung gehört für mich erst in zweiter Linie dazu.
        Gerade die Webdesigner, die von der Informatik kommen, sollten ihrer eigenen grafischen Gestaltungsfähigkeit erstmal skeptisch gegenüberstehen und lieber den Kunden nach seinem Wunsch fragen.
        Ich möchte betonen, daß das Erfinden von neuen wordpresstemplates für mich kein screendesign ist. Und wenn ein webdesigner das cms an die CI seines Kunden anpasst, dann sollte dieser webdesigner sich bitte nicht gleich für einen Grafiker halten.
        Mir ist auch klar, daß viele Ausbildungsstätten eine gewisse Stundenzahl für Grafik haben. Bei den mir bekannten BA bzw. Akademien ist das aber mit dem Kunstunterricht meiner Schulzeit vergleichbar. (Ein Kurs in FIMO-Kneten und schon glaube ich, Rodin mit “Kollege” anreden zu können)

        Ich bin mehr für Spezialisierung.
        Der immer wieder gesuchte webdesigner, der von xyzhtmlfläsch incl.AS 1 bis 4 über sämtliche javanesischen Datenbanksysteme on Rails bis zur Foto- und Bewegtbilderstellung (selbstverständlich mit Erfahrung in modernen Shoppaplications) incl. screendesign alles kann, ist für mich ein Mythos. Ich traf jedenfalls noch keinen.

        Einem Wolpertinger bin ich aber schon begegnet.:-)

        Einen schönen Feiertag wünscht Kurt

  9. webdesign_ffm
    30. November 2011 um 00:03 Uhr

    Pesöhnliche und berufliche Meinung sagt: Kunde ist König – der Endkunde 😉 Gestaltung finde ich wichtig, allein um sich von der Baukastenwüste abzugrenzen. Natürlich nimmer die Web-Usability vernachlässigen!