In 4 Tagen zum Portfolio – Tag 1: Auftragsbeschreibung

  • von Lennart Prange

thumb Der erste Tag meiner Artikelserie “In 4 Tagen zum Portfolio” beginnt mit dem Auftrag an euch selbst. Der Sinn dahinter ist, dass ihr euch an euren typischen Arbeitsablauf haltet und euch selber wie einen normalen Kunden behandelt. Andernfalls verliert ihr euch wahrscheinlich in immer neuen Variationen und Perfektionismus.

Es ist wohl die einzige Chance, jemals eine perfekte Auftragsbeschreibung vorliegen zu haben. Ihr wisst was ihr für die spätere Gestaltungsphase braucht und solltet jetzt auch alles aufschreiben.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Auftragsbeschreibung und verdeutlicht das Ganze an dem Beispiel von Max Mustermann.

Kommentare und Retweets würden mich sehr freuen.

Vorwort

Es bringt nichts, wenn ihr diesen Schritt nicht gewissenhaft erledigt. Die Auftragsbeschreibung ist die Basis für das spätere Portfolio und deswegen sollte schon ein wenig Zeit investiert werden. Übrigens hat das Ganze auch keinen Sinn, wenn ihr euch später nicht daran haltet. Dazu gehört ein wenig Selbstdisziplin. Auch wenn euch später noch etwas einfällt, was man anders machen könnte, sollte ihr das lassen und lieber bei der Auftragsbeschreibung bleiben. Sonst wird sich der gesamte Prozess sehr lange hinziehen.

Die Auftragsbeschreibung soll euch selber eingrenzen und euch klare Ziele geben, an denen ihr euch orientieren könnt.

Was muss enthalten sein?

Bestimmt hat jeder seine eigenen Vorlieben, was eine Auftragsbeschreibung alles enthalten sollte. Ich kann mit diesem Beitrag also nur ein paar Anregungen geben. Hier ein paar typische Fragen, die die Beschreibung beantworten könnte:

  • Wen soll die Seite ansprechen? – Die Zielgruppe ist natürlich extrem wichtig für die spätere Gestaltung. Der Zielgruppe muss das Design gefallen und an ihr könnt ihr auch festmachen, welche Technologien ihr einsetzen könnt.
  • Gibt es ein Corporate Design? – Wenn ihr bereits Vorgaben habt, wie eine Hausschrift, ein Logo usw. müsst ihr das natürlich berücksichtigen und integrieren. Das Corporate Design schränkt euch also ein wenig ein und ist deshalb auch einfach toll 😉
  • Was sollen die Besucher auf der Website hauptsächlich tun? – Diese Frage zielt darauf ab, die wichtigsten Elemente der Website zu bestimmen und so die Festlegung der Informationsstruktur zu erleichtern.
  • Welche weiteren Bereiche sollen integriert werden? – Ihr solltet eine gewisse Vorstellung des Umfangs der Website haben. Das ist ebenfalls für die Struktur sehr wichtig. Auf der Grundlage dieser Information könnt ihr zum Beispiel entscheiden, ob ein One Page Portfolio sogar reicht.
  • Was sollen die Nutzer für ein Gefühl haben, wenn sie die Seite besuchen? – Auch eine Frage, die die spätere Gestaltung extrem vereinfachen wird. Als Webdesigner wissen wir natürlich, dass wir mit verschiedenen Mitteln Gefühle erzeugen können.
  • Wie lange soll der Gestaltungsprozess dauern? – Setzt euch selber eine Deadline. Setzt euch selber ein wenig unter Druck und haltet euch daran! Irgendwann muss man einfach einen Schlussstrich ziehen und aufhören immer weiter zu optimieren.

Auf geht’s

Jetzt könnt ihr die Beschreibung ausformulieren oder die Fragen Liste abarbeiten. Hauptsache ihr beantwortet alles vernünftig und macht euch ein paar Gedanken.

Beispiel: Max Mustermann

Mein neues Portfolio soll besonders potenzielle Kunden ansprechen, die aus kleinen und mittelständischen Firmen kommen. Ich möchte aber auch, dass sich Agenturen bei mir melden. Es gibt kein Corporate Design. Die Nutzer sollen sich in erster Linie meine Arbeiten anschauen und dazu angeregt werden, ein Angebot einzuholen. Daher sollten die Arbeiten auf der Startseite präsentiert werden. Außerdem soll zu jeder Arbeit eine kurze Beschreibung meiner Leistungen neben dem Screenshot stehen. Weiterhin soll es eine kurze Über mich Seite und ein Kontaktformular mit ein paar weiteren Informationen geben.
Ich will, dass die Nutzer sofort denken, dass ich ein seriöser Webdesigner bin. Das Ganze sollte also nicht zu verspielt daher kommen. Das ist auch nicht mein Stil. Falls Agenturen vorbeischauen, sollen die Verantwortlichen natürlich das Gefühl haben, dass ich meine Arbeit verstehe. Die Farbgebung sollte daher recht dezent sein und nicht zu viele Farben enthalten.
Das Portfolio soll innerhalb von maximal 1 Woche online gehen.

Was ich euch vorschlage

Hier noch ein paar Anregungen für die Auftragsbeschreibung. Die folgenden Punkte solltet ihr beachten. Noch mal: Macht euch Gedanken um euer Portfolio und die Informationen, die es enthalten soll.

Lasst die Splashpages weg

Besonders bei Portfolios erlebe ich öfters Splashpages. Mir ist noch kein Portfolio untergekommen, wo das wirklich gerechtfertig war. Es ist eine Seite mehr, die die Robots gehen müssen und ein Klick mehr für den Nutzer. Vollkommen überflüssig.

splashpage

Lasst Flash

Auch das bringt bei Portfolios überhaupt nichts und verschlechtert die Nutzererfahrung eher. Während meiner Recherchen für die Artikelserie “Talente @ Deviantart” sind mir einige Flash Seiten untergekommen. Nie war es sinnvoll.

flash

Weniger ist mehr

Ihr braucht keine meterlangen Texte. Konzentriert euch auf das Wesentliche. Versetzt euch in potenzielle Kunden und nicht in andere Webdesigner. Gestaltet für die Kunden und nicht für euch selber. Überlegt genau, welche Infos für Kunden interessant sind und welche nicht. Die letzten Tweets werden keinen Kunden interessieren. Blogbeiträge sollten zwar beworben werden, aber nicht so eine hohe Priorität bekommen. Kontaktinformationen und letzte Arbeiten sind wichtiger. Aber dazu kommen wir in einem späteren Beitrag.

Große Thumbnails

125px*125px kleine Thumbnails bringen euren Besuchern gar nichts. Darauf kann man nichts erkennen. Daher solltet ihr euch lieber für größere Bilder entschließen.

Diese Thumbnails sind zu klein:

thumbnails

Ihr könntet auch ein Blog haben

Wer gerne ein paar mehr Visits möchte, kann natürlich auch aktiv bloggen und Blog und Portfolio zusammenführen. Sinnvoll ist das aber nur, wenn man nicht all 3 Monate schreibt sondern sich aktiv engagiert.

Setzt euch eine realistische Deadline

Gebt euch nicht zu viel Zeit. Seid aber ehrlich mit euch selbst und gebt euch auf jeden Fall eine Deadline, die ihr erfüllen könnt.

Die Seite muss zu den Designs passen, die ihr anbietet

Wenn ihr grafisch extrem anspruchsvolle Arbeiten anbietet, sollte euer Portfolio auch so aussehen. Seid ihr eher der schlichtere Typ, sollte euer Portfolio das deutlich machen. Sonst erreicht ihr die falsche Zielgruppe.

Henry Jones macht das meiner Meinung nach recht gut.

stil

Fazit

Diese Auftragsbeschreibung sagt euch genug. Viel mehr müsst ihr nicht wissen. Ihr seid jetzt zwar etwas eingeschränkt, was die gestalterischen Möglichkeiten angeht, habt aber immer noch genug Freiraum. Die Informationen werden reichen, um ein solides Portfolio hinzubekommen.

Die hier erstellte Auftragsbeschreibung wird die ganze Serie begleiten.

Im nächsten Beitrag geht es um die Recherche!

13 Kommentare

  1. nastorseriessix
    22. Juni 2009 um 08:39 Uhr

    Super Artikel und gut recherchiert dazu muss ich sagen. 😀

    Die Erfahrung das Flash nicht grade förderlich ist für die Nutzung habe ich auch schon gemacht und kann das in dem Punkt genau so bestätigen. Das mit dem “Weniger ist Mehr” Prinzip sollte man explizit für Portfolios beachten, in der “Kürze liegt die Würze” wie es so schön heisst.

    So wie du das hier beschrieben hast mache ich das schon seid je her. Wobei ich noch vorher ein Brainstorming dazu mache, da es sich meistens um mehr als ein Portfolio bei mir handelt, nämlich ein ganzes neues Projekt.

    Die Vorgehensweise ist dabei aber die gleiche wie bei der Planung und Erstellung eines Portfolio. Ist halt dann nur ein wenig umfangreicher in der Planung wie gesagt.

    Freue mich schon auf den nächsten Artikel der Serie. 🙂

    • Lennart Prange
      22. Juni 2009 um 22:15 Uhr

      Der Workflow ist natürlich vom Projekt abhängig. Auf jeden Fall ein wenig. Morgen geht es mit Teil 2 weiter 😉

  2. Schorschi
    22. Juni 2009 um 19:00 Uhr

    Hi,
    cooler Artikel. Mein Portfolio ist zwar noch recht aktuell und auch im Prinzip so entstanden, wie du es beschrieben hast, aber leider hat es kaum Besucher, was sicherlich daran liegt, dass ich keinen Inhalt habe, der für Wiederkommende Besucher spannend sein könnte.
    Eventuell werde ich bald neues Design machen und gleichzeitig mit einem informativen Blog online gehen, der die Besucher anregen soll wiederzukommen.

    Danke für die Tipps, bin schon auf den nächsten Artikel gespannt 😉

    Gruß Schorschi

    • Lennart Prange
      22. Juni 2009 um 22:13 Uhr

      Ein Blog ist wirklich eine gute Möglichkeit. Blöd nur, dass er meist nur Fachpublikum anspricht und dieses dir häufig keine Aufträge verschafft. Dann bringen Besucher auch nichts.

  3. Rata
    23. Juni 2009 um 05:39 Uhr

    Da bin ich aber schon sehr auf die kommenden 3 Artikel gespannt.
    Gefällt mir 😉

    Lieber Gruß
    Rata

  4. Tobias
    24. Juni 2009 um 22:28 Uhr

    “Lasst Flash sein!”

    Wenn man Flash macht wäre es eher ungeschickt.
    Für Fotografen auch ungeschickt bzw. da wäre Flash eher sinnvoll. Für Mode-Design gilt ähnliches.

    Besser wäre “entscheidet weise” und “lasst Pauschal-Urteile sein”

    • Lennart Prange
      24. Juni 2009 um 22:32 Uhr

      Wieso ist Flash für Fotografen sinnvoll? Warum wäre Flash für Mode Design sinnvoll? Und was haben diese Bemerkungen mit meiner Artikelserie zu tun? Bei daswebdesignblog geht es um Webdesigner und in diesem Fall um ein Portfolio für einen Webdesigner. Deswegen kann ich mein “Pauschal-Urteil” stehen lassen 😉

  5. Tobias
    25. Juni 2009 um 09:48 Uhr

    Flash kann dynamisch Bilder glätten bzw. schärfen, adaptiv an den Bildschirm, lässt flüssige Detailzooms zu, kann gewaltige Bildmassen im Hintergrund event basiert nachladen u.ä. – der Vorteil liegt auf der Hand, für Mode und Fotografie. Nicht umsonst wird es dort überwiegend eingesetzt.

    Das Problem bei der fast religiösen Flash/Nicht-Flash Frage ist, dass nur die, die die beide Welten nicht kennen ganz klar zu der einen oder anderen raten und die andere kategorisch ausschließen. Gerade das halte ich für unklug und wenig hilfreich.

    • Lennart Prange
      25. Juni 2009 um 15:38 Uhr

      Ich kenne beides und sehe in Flash nach wie vor kaum Vorteile, welche den Einsatz der Technologie für ein Webdesign Portfolio rechtfertigen würde.

  6. Tobias
    25. Juni 2009 um 19:21 Uhr

    Also schon viele Flash Applikationen umgesetzt? Dann müssten dir die Vorteile gerade im Umgang bekannt sein.

    Und wie gesagt, wenn man hauptsächlich Flash macht, das sind auch Webdesigner! dann könnte man dort auch zeigen was man kann. Das tun auch sehr viele.

    Schwierig wäre es auch sonst Webcam-Interaktion, neue Interface, Sound-Visualisierungen etc darzustellen

    • Lennart Prange
      25. Juni 2009 um 19:28 Uhr

      Die Diskussion ist anscheinend sinnlos 😉 Ich lasse dir gerne deine Meinung, aber du wirst mich nicht davon überzeugen können, dass ein Portfolio von Webdesignern irgendwelche Flash Elemente nötig hat. Die ganze Technologie hat durchaus ihre Berechtigung, sollte meiner Meinung nach so sparsam wie möglich eingesetzt werden. http://praegnanz.de/essays/killt-die-killer-websites passt auch zu dem Thema.

  7. Simon
    13. Juli 2009 um 21:55 Uhr

    Tolle Serie, schon der erste Teil gefällt mir sehr gut. Werde jetzt mal noch die anderen Teile lesen.

    Vielen Dank.

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