Portfolio – welche Sprache ist angebracht?

  • von Lennart Prange

sprache_portfolio Heute erreichte mich die Frage eines Lesers: Andreas möchte als Freelancer anfangen und ist sich nicht sicher, ob er sein Portfolio inklusive Blog mit deutschsprachigem Inhalt füllen soll oder es doch lieber auf internationale Besucher ausrichten soll.

Meiner Meinung nach eine interessante Frage, über deren Antwort man sich sicherlich streiten kann und somit auch ein gutes Thema für das Blog.

Wie üblich werde ich zunächst meine Meinung darstellen. Ihr könnt sie unterstützen oder ihr widersprechen 🙂 Natürlich.

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Meine Meinung

Natürlich ist es schwer, die Frage pauschal zu beantworten. Eigentlich ist es auch die falsche Fragen. Richtig wäre: Möchte ich nur Kunden aus Deutschland oder international arbeiten.

Wenn man, so wie Andreas, am Anfang seiner Karriere als Freelancer steht, sollte man meiner Meinung nach erst mal auf nationale Kunden setzen. Optimal wären natürlich Kunden aus der Region, mit denen man sich auch öfters persönlich unterhalten kann.

Die Kommunikation ist auf Englisch, auch wenn man es fließend beherrscht, immer noch eine andere. Das gleiche gilt für die Akquise. Wenn man die ersten Erfahrungen macht, sollte man es sich so leicht wie möglich machen.

Wieso sollte ich mich als Freelancer auf internationale Projekte stürzen? In Deutschland gibt es meiner Meinung nach genug potenzielle Kunden. Ob klein oder groß ist für eine einzelne Person ja eigentlich nicht so wichtig. Bei einer großen Agentur wäre das etwas anderes.

Weiterhin sollte man die Perspektive auch mal wechseln und sich fragen: Wieso sollte ein Unternehmen aus dem Ausland mich anheuern? Das wird kaum Vorteile haben. Lebt man in Deutschland ist man sicherlich keine besonders billige Arbeitskraft. Als Freelancer macht man ja auch häufig kleinere Projekte. Vor allem am Anfang. Wieso sollte ein Restaurant aus Polen sich nach Webdesignern in Deutschland umschauen? Wenn man nicht besonders bekannt ist, wird das wohl nichts.

Da Andreas auch ein Blog integrieren möchte, wäre dieser vielleicht eine Möglichkeit an Kunden heranzukommen. Aber bleibt wirklich so viel Zeit zum Bloggen. Das ist nicht so einfach. Auf Englisch braucht man für Beiträge wahrscheinlich auch noch ein wenig länger und ob man überhaupt Leser bekommt, bleibt offen. Übrigens würde ich für den Anfang auch kein Blog empfehlen. Lieber auf die Arbeit konzentrieren und erste Projekte abschließen. Ich habe über dieses Blog nicht eine Anfrage bezüglich einer Webseite bekommen.

Ich bin also gegen das internationale Portfolio. Ich glaube einfach nicht, dass man sich damit wirklich ein Vorteil erarbeitet. Wenn man aber international arbeiten möchte, muss man es natürlich machen. Es gibt genug Beispiele dafür, dass es funktionieren kann.

Eure Meinung?

17 Kommentare

  1. Flowsen
    28. August 2009 um 14:53 Uhr

    Gude,

    ah ein wirklich interessanter Beitrag.
    Ich habe mir damals die Frage garnicht gestellt, aber auch deshalb weil ich die Antwort schon kannte. “Only Deutsch” war die Sprache meiner Wahl.

    So gut es ging achte ich bei meiner gesamten Kommunikation sogar auf die reine Verwendung von deutschen Wörtern. Auch mein Firmenname ist deutsch (sollte dt. sein!).

    Für mich war es erstmal wichtig Reginal bekannt zu werden, was später folgt, warten wir mal ab. Aber da ich mitten in Deutschaland wohne, macht nur Deutsch Sinn.

    Gerade als Freiberufler glaube ich wirkt man mit einer zweiten Sprache “größer” als man vll. wirklich ist. Gerade nach dem Startup. Aber das darf man sehen wie man will.

    Beste Grüße
    .-Florian-.

  2. Isabel
    28. August 2009 um 15:12 Uhr

    Zu berücksichtigen ist auch, dass die meisten ihre Englischkenntnisse gnadenlos überschätzen – das Ergebnis wirkt dann recht unbeholfen und hat zur Folge, dass für die nationale Klientel die Kommunikation unnötig erschwert wurde und eine tatsächlich englischsprachige Klientel eher peinlich berührt ist.

    Also: wer nur Schulenglisch kann, kommt um einen professionellen Übersetzer nicht herum. Wer’s sich trotzdem zutraut, überschätzt sich und unterschätzt die englische Sprache. Und damit dürfte die Frage nach der Sprache für die meisten schon allein aus Kostengründen beantwortet sein.

  3. Thorwald Hoffmann
    28. August 2009 um 15:20 Uhr

    Ganz oder gar nicht würde ich sagen….

    Auch Flowsens Sprachwahl ist nicht vom feinsten. “Only Deutsch” passt halt nicht wirklich 😉
    Ich bin auch der Meinung, dass man eine deutsche Seite, die für deutsche Nutzer ist, auch NUR Deutsch verwenden sollte.
    Damit meine ich vor allem die Navigation.
    Wofür englische Begriffe in der Navi, wenn man eh deutschen Inhalt hat?

    Zu der Frage von Andreas:
    Ich würde auch ganz klar mir als Freelancer die Frage stellen, ob ich in der Lage bin auf Englisch zu handeln?!
    Will ich überhaupt Auftraggeber aus dem Ausland haben?
    Gibt es nicht genügend deutsche Kunden?
    Können alle deutschen Kunden auch die englischen Inhalte verstehen? – oder muss ich meine Seite sogar zweisprachig gestalten? – ist das zu viel Aufwand? – habe ich die Zeit?

    Das sind alles Fragen, die ich mir stellen würde.
    Und für mich somit zu dem Entschluss kommen würde (nicht unbedingt aus dem Grunde, dass ich mir es nicht zutrauen würde auch mit englischen Kunden zu kooperieren), meine Seite auf deutsch – und vor allem für deutsche Kunden – zu gestalten.

    Liebe Grüße aus dem Sauerland,
    Thorwald

  4. Manuel
    28. August 2009 um 15:28 Uhr

    Ich bin fasziniert dass hier nur eine “entweder oder” Frage im Raum steht. Wenn die Überlegung konkrete Bezüge aufweist unabhängig davon ob es eine gute Idee ist, was hätte dagegen gesprochen beide Sprachen zu verarbeiten?
    Mögliche Kunden aus dem Ausland hätten eine erleichterte Kommunikation, Kunden aus dem deutschen Raum im besten Fall noch eine weitere Vorstellung vom KnowHow bei Multilangualen Seiten.
    Müsste man die Frage auf entweder oder bezogen sehen, wäre meine Antwort klar deutsch. Die Wahrscheinlichkeit dann auch Kundschaft zu bekommen dürfte wesentlich größer sein und Besucher aus dem Ausland mehr ein zusätzliches Schmankerl.

    • Lennart Prange
      28. August 2009 um 15:31 Uhr

      Na klar, Mehrsprachigkeit ist möglich. Wird allerdings schwierig, wenn man ein Blog integrieren will. Man kann schlecht jeden Beitrag auf zwei Sprachen verfassen. Bei einem reinen Portfolio… warum nicht.

    • Andy
      29. August 2009 um 09:05 Uhr

      Ja, so dachte ich mir das auch 🙂 Beim Blog muss man dann halt abstriche machen.

  5. Thorsten v.G.
    28. August 2009 um 15:51 Uhr

    Eine gute Frage.
    Ich persönlich habe meine Portfolio-Seite auf deutsch gestaltet, da ich bis vor Kurzem nur Kunden aus Deutschland betreut habe.

    Allerdings überlege ich zur Zeit die Seite nicht nur zwei- sondern auch dreisprachig zu gestalten, da ich das Glück hatte einen Kunden aus Irland zu “ergattern” und dadurch einige irische Anfrage in meinem Postfach eintrudeln.

    Die dritte Sprache wäre Niederländisch. Ich wohne sehr grenznah, spreche es fliessend und fahre häufig mit meinem PKW (mit grossen Link-Aufkleber) im Nachbarstaat durch die Gegend. Die Niederländer sprechen zwar meist ganz gut deutsch, aber um potenziellen Kunden entgegen zu kommen, bietet sich ein “Hollandbereich” auf der Seite an. Vielleicht nimmt es ja den Nachbarn die Hemmung zur Kontaktaufnahme. 😉

    Ich an Andreas Stelle würde es zweisprachig versuchen. Schaden kann es nicht…

  6. Sebastian
    28. August 2009 um 16:40 Uhr

    wenn ich eins hätte, würde ich es nur auf deutsch machen.
    da es ja nicht nur um den text im (im?) portfolio geht, sondern auch die kommunikation mit dem kunden, was sich auf englisch doch deutlich schwieriger gestaltet.

    es sei denn, man ist englisch lehrer oder ähnliches, dann englisch und deutsch 😀

  7. Rata
    29. August 2009 um 10:09 Uhr

    Klaare Aussage: Erst deutsch, sich etablieren, im Anschluß – wenn man Schritt 2 als abgehakt betrachten kann – internationalisieren.

    Der Grund ist einfach: Selbst der kleinste Fehler im fremdsprachigen Internetauftritt wird von *potentiellen Kunden* als bemitleidenswert angesehen. Da wird nichts verziehen, was ein *normaler Besucher* der Site durchaus zu tun bereit ist.

    Das Bein nie höher heben, als man pinkeln kann 😉

    Lieber Gruß
    Rata

  8. Joe Hana
    29. August 2009 um 10:59 Uhr

    Gerade eben steh ich selbst vor dieser Entscheidung, und finde diese ist keine leichte.

    Auf der einen Seite sind die Kunden, bei denen man primär einen guten Eindruck hinterlassen sollte, dies geht nicht wenn man nur die halbe Sprache spricht oder seinen Blog abwechselnd in deutsch/englisch oder am besten in übelstem “denglisch” verfasst.

    Auf der anderen Seite ist das “Social Engagement” – speziell mit anderen Freelancern – meist auf internationaler Ebene – will oder sollte man in Kontakt bleiben.

    Ich habe mich entschiedenen mein Portfolio auf deutsch zu präsentieren, da dies mein primärer Markt ist – doch Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte – Also können sich meist auch ausländische Firmen ein Bild von meiner Arbeit machen. Und HTML, CSS, JS is ja eh sogut wie “Multilingual”.

    Den Blog würde ich eher in der eigenen Muttersprache verfassen, was ich bisher auch tat – den sogut man eine fremde Sprache auch sprechen mag, den Charme, Witz, die Überzeugung,….lässt sich viel leichter und besser transportieren als es mir in einer Sprache wie englisch gelingen würde – man darf nicht vergessen das englisch nicht gleich englisch ist und nicht jeder Begriff überall gleich verstanden wird.

    Oft ist es aber sicherlich die Aussicht auf einen größeren und umfangreicheren Markt der einen dazu bringt sich in einer internationalen Sprache zu präsentieren – dafür gibt es um so weniger gute “Local Players”

    But that’s just my opinion…

  9. Tobias
    29. August 2009 um 13:51 Uhr

    Die wichtigste Aussage in dem Artikel fand ich war “kümmert euch erst um eure Arbeiten”. Bonus Aktionen wie Blog kann nebenbei betrieben werden. Es gibt unzählige Rein-Text, alle Arbeiten hintereinander Präsentier Portfolios, die von der Qualität der Arbeiten überzeugen, und auch nicht auf irgendwelchen Inspirationslinklisten ladne wollen, weil sie es gar nicht nötig haben.

    Schlimmes Englisch ist schlecht wie schlimmes deutsch, und wenn man nicht zuviel sülzen will, sollte man sich egal in welcher Sprache kurz fassen, da so manche Arbeiten “nicht der Rede wert” sind.

    Was ich allerdings problematisch finde sind die ganzen Einsteiger Portfolios auf Deutsch dann aber mit “imprint” (sowieso falsch) oder “contact”.

    Ein wenig Denglisch ist ja kaum verhinderbar, da viele Fachbegriffe nicht übersetzbar sind und die “Waffen” die wir an Programmiersprachen haben sind nicht “multilingual”, sondern immer(!) englisch oder englsich abgekürzt.

  10. Lizzy
    30. August 2009 um 00:25 Uhr

    Eine weitere Möglichkeit wäre es erstmal mit dem Blog zu warten, aber fleissig nebenher Blogeinträge zu schreiben um zu testen wie viele man tatsächlich nebenher schafft. (Plus Übersetzung. Oder einen Monat lang nur deutsch und den nächsten nur englisch schreiben).
    Zusätzlich häuft man dabei für die Zukunft eine Menge Beiträge an, die man dann veröffentlichen kann, wenn die Arbeit wenig Zeit für’s bloggen lässt.

  11. Xea
    30. August 2009 um 22:18 Uhr

    Ich werde vorerst bei deutsch bleiben. Da ich nur nebenbei als Webdesigner arbeite und sonst meine Ausbildung als Screen Designer mache, werd ich eh nichts größeres in Angriff nehmen. Meine Kunden sind in meiner Nähe und teilweise über Bekannte. Für Auslandsbesuche fehlt mir auch das Geld. Und ich will mit meinen Kunden auch persönlich reden können. Also würd es sich für mich nicht lohnen, international zu denken.

  12. David
    3. September 2009 um 21:30 Uhr

    Naja Navi auf englisch und gewisse Headlines vielleicht auch. Lockt andere Leute an und lässt sie auch leichter zurecht finden. Wenn ich auf ne Japanische Seite gehe und nur Schriftzeichen sehe ist das eher nicht so toll. Sind die Navipunkte wenigstens auf englisch kann man sich auf der Seite zumindest zurecht finden.

    man muss ja nicht mal was besonderes wollen sondern kann seiten ja auch einfach nur anschauen.

    Multilanguage Seiten sind der größte mist meiner Meinung nach. Das ist nichts halbes und nichts ganzes. Schon gar nicht wenn man das ganze alleine betreibt. Wer hin und wieder mal einen Blogeintrag schreibt wird wissen was ich meine.

    Ich hatte auch schon vor meine Seite komplett auf englisch umzustellen aber dazu ist mein englisch wohl eher nicht geeignet. Das bloggen ist wie hier schon angesprochen das größte Hinterniss. Ein paar Headlines sind schon drin aber komplette Texte halbwegs Sinnvoll zu schreiben 🙂

    So, dass war meine Meinung, hehe

  13. Connie
    4. September 2009 um 08:17 Uhr

    das ist meiner Meinung nach wieder ein Ergebnis dieses völlig überschätzten und unangebrachten Englisch-Hypes…

    Dann steht sowas wie “Health comes out of Performance” nicht nur auf Plakaten zweitklassiger Möchtegern-Fitness-Studios sondern auch auf Webseiten…

    Ich finde das völlig unnütz.

    Ein guter Webauftritt eines “Freelancers” richtet sich an seine Kunden. Die Kunden kommen wohl aus der näheren Umgebung am Anfang.

    Wir haben keine englisch-sprachige Tradition wie die Bewohner ehemaliger Kolonien, obwohl das schlechte Englisch das hier verbrochen wird,mich doch sehr oft an Pidgin erinnert… ;=)

    Ich rate:
    erstmal die Seite gut aufbauen, in der eigenen Sprache auf Fehlerfreiheit achten (ist nicht selbstverständlich)

    und wenn man international mit anderen Freelancern kommuniziert (meistens ist das ja nur ein Kommentieren in Blogs, die man aus Feedreadern heraus aufruft… ), kann man ja jederzeit eine ABOUT-Seite in englisch auf seinem Blog unterbringen, das Kommunizieren / Lesen englischsprachiger Webbeiträgte bedeutet doch nicht, daß man auch plötzlich gewichtige Inhalte hat, die man nur auf Englisch vermitteln kann…

    Dies als “meine fünf Cents” einer ehemaligen Deutschlehrerin ;=)

  14. robertfork
    6. September 2009 um 11:59 Uhr

    Guter Beitrag. Mir persönlich stellt sich noch die Frage: Kann man auf einem Portfolio Anglizismen oder Fachbegriffe verwenden?
    Wenn ich jetzt bspw. die Schlagwörter bei den eigenen Skills bzw. Services (da fängt es schon an…) nehme: Content Management, Redesign. oder etliches anderes. Sollte ich das lieber versuchen irgendwie einzudeutschen bzw. eben einen geeigneten deutschen Begriff dafür suchen oder meint ihr man kann das so stehen lassen?

    Mir gibt das etwas zu denken, einerseits gibt es eben diese Fachbegriffe die man in der Branche benutzt, andererseits ist es durchaus möglich, dass ein Kunde das eventuell nicht versteht und dadurch abgeschreckt wird.

  15. Patrick Amrhein
    10. Oktober 2009 um 10:06 Uhr

    Ich würde auch empfehlen, das Portfolio forerst in deutsch zu gestalten. Sobald dies abgeschlossen ist, kann man nach und nach die Inhalte auch in englischer Sprache veröffentlichen um auch den internationalen Markt zu bedienen. Eben Step by Step. Aber auch robertfork´s Beitrag finde ich gut. Einerseits können Fachbegriffe echt abschrecken, aber eben auch überzeugen. Wenn jemand mit Fachbegriffen um sich schlägt, kann er auch eine gewisse Kompetenz ausstrahlen.