Start in die Woche #4 – Aufschieberitis

Schiebt ihr immer wieder unangenehme Aufgaben vor euch her? Dann wird euch dieser Beitrag bestimmt helfen. Heute geht es um “Aufschieberitis”.

  • von Lennart Prange

Nach der kurzen – aber trotzdem viel zu langen – Auszeit ist nun auch meine Artikelserie Start in die Woche wieder da.

Heute geht es um ein Verhalten, das die Arbeitsergebnisse vieler Menschen deutlich verschlechtert: Das Aufschieben von (unangenehmen) Aufgaben.

aufschieberitis

Lassen wir Wikipedia das Ganze mal erklären: “Aufschieben […] ist das Verhalten, notwendige, aber unangenehme Arbeiten immer wieder zu verschieben, statt sie zu erledigen. Drei Kriterien müssen erfüllt sein, damit ein Verhalten als Prokrastination eingestuft werden kann: Es muss kontraproduktiv, überflüssig und verzögernd sein.”

Warum wir besonders anfällig sind

Ich habe zu dem Thema, wie viele Menschen chronische Aufschieber sind, verschiedene Zahlen gelesen. Da war die Rede von 20% und sogar von 25%.

Meiner Ansicht nach sind Webdesigner sehr gefährdet: Wir arbeiten mit dem Internet und kennen es genau. Hochwertige Ablenkung ist meistens nur ein Klick entfernt und teilweise sind die Grenzen zwischen Arbeit und Ablenkung auch verschwommen: Sich die 50 besten Portfolios aus dem Monat Juli anzugucken ist ja irgendwo auch Weiterbildung und könnte damit unter Arbeit geführt werden. Sowas redet man sich gerne ein.

Warum Aufschieben katastrophal sein kann

Irgendwann macht man sich eigentlich immer an die Aufgabe. Wenn man sie allerdings bis zum letzten Moment hinauszögert, hat das häufig unangenehme Folgen: Die Qualität der Arbeit leidet, weil man sich beeilen muss, man setzt sich unnötigem Stress aus, man macht Nächte durch usw.

Noch schlimmer: Man schätzt sich falsch ein, und schafft es nicht bis zur Deadline. Die Folgen sind abzusehen: Der Kunde ist unzufrieden, das Geld liegt nicht auf dem Konto und der Ruf wird beschädigt. Das kann man dann als Worst-Case-Szenario bezeichnen.

Was du heute kannst besorgen…

…das verschiebe nicht auf morgen. Warum sollte man sich dem Risiko aussetzen, eine Deadline nicht einzuhalten? Wenn man einen Abgabetermin einhalten muss, heißt das ja nicht, dass man die Arbeit nicht vorher fertig haben darf. Ganz im Gegenteil.

Tut wichtige Dinge so schnell wie möglich und nicht so spät wie möglich. Lasst nur einen kurzen Zeitraum zwischen Auftrag und Ausführung. Ihr werdet entspannter, zufriedener und besser arbeiten können. Diese Einstellung ist für alle Seiten förderlich.

Es erfordert Selbstbeherrschung und eine gesunde Selbsteinschätzung, um das Problem konstruktiv anzugehen. Ich möchte euch ein paar Vorschläge mitgeben, die euch dabei helfen sollen, Arbeit in Zukunft früh und nicht spät zu erledigen.

  • Worst Case im Auge behalten – Das Worst-Case-Szenario habe ich bereits genannt. Setzt euch selber unter Druck, indem ihr euch es immer wieder vor Augen führt, wenn ihr versucht seit, Arbeit liegenzulassen.
  • Freut euch auf den Projektabschluss – Behaltet im Kopf, was der frühe Projektabschluss bewirken wird: Der Kunde wird von eurer schnellen Arbeitsweise überrascht sein, ihr könnt mit dem Gefühl ins Bett gehen, dass ihr einiges geschafft habt und ihr werdet euch wahrscheinlich besser fühlen, da der Stress maßgeblich reduziert wurde.
  • Setzt euch Ziele – Es ist immer schön, ein Ziel zu erreichen und deswegen macht es Sinn, sich selber realistische aber ehrgeizige Ziele zu setzen.
  • Entfernt die Ablenkung – Twitter, Youtube und der E-Mail Client sind typische “Ablenker”. Der strebsame und erfolgreiche Webdesigner weiß, wann er diese Abzuschalten und zu ignorieren hat.

Nehmt euch doch für diese Woche vor, unangenehme Arbeiten sofort zu erledigen. Oder mag jemand hier das Gefühl, noch einen Berg nerviger Arbeiten auf dem Schreibtisch zu haben?

Ich hoffe, dass euch der Beitrag gefallen hat und wünsche euch eine schöne Woche.

8 Kommentare

  1. Wolfgang Wagner
    20. September 2010 um 23:39 Uhr

    Hi,

    ich kann dir eigentlich nur zustimmen. Lästig ist es nur dann, wenn der eigene Arbeitsdrang dann von Kunden ausgebremst wird, die es nicht schaffen, Texte/Bilder für die Website zu liefern. So will man weiterarbeiten, kann es aber nicht.

    Hast du diese Probleme auch manchmal? Wie gehst du damit um?

    Grüße vom Bodensee
    Wolfgang

  2. nnwebdesign
    21. September 2010 um 15:20 Uhr

    Moinsen, deinen Blog habe ich vor einer Woche gefunden und so gut wie jeden Artikel aus dem Archiv zumindest überflogen. Also zunächst ein dickes Lob. Zur Sache:
    “Meiner Ansicht nach sind Webdesigner sehr gefährdet.” – Da stimme ich vollkommen zu, jedoch muss ich mitunter feststellen, dass es bei mir oft auch den anderen Weg nimmt. Eigentlich als Freizeit eingeteilte Zeit nutze ich doch zum Arbeiten am neuesten Webdesign-Projekt, statt die Kiste mal ruhen zu lassen. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen – korrekt – aber ich finde, dass es sich nicht immer zum Nachteil auswirkt. Zumindest ist es bei mir so (Ich arbeite zu Hause).

  3. Tim
    22. September 2010 um 06:32 Uhr

    Oh,wie recht Du mit Deinem Artikel hast!!! Ich habe Anfang der Woche die Notbremse gezogen und mich für 10 Tage von allen Social-Online-Aktivitäten zurück gezogen!

    In den letzten Wochen und Monaten hat sich soviel unnötiger “Kram” angesammelt,dass sich meine ganze Aufmerksamkeit dem Abbau dieser liegen gebliebener Arbeiten widmen muss.

    Danach muss ich ein System entwickeln,einen Tagesablaufplan,an den ich mich strikt halten muss,damit so eine Auszeit nicht noch einmal nötig wird. Das hat natürlich sehr viel mit Selbstdisziplin und der dringenden Einrichtung fester Arbeitszeiten zu tun,denn das habe ich als Selbstständiger, der zuhause arbeitet,inzwischen gelernt: Zuviel Ablenkung ist schädlich und wenn ich mir keinen Unterschied zwischen Freizeit und Arbeitszeit leiste, dann bleibt auch der erholsame Genuss der Freizeit aus, was letztendlich auch der Kreativität schadet.

    Mal sehen, ob ich das so hin bekomme 😉

  4. susi
    23. September 2010 um 10:15 Uhr

    Was mir immer ganz gut hilft ist eine Abhakeliste die man abarbeitet. Da hat man dann das Ziel vor Augen und sieht wie weit man schon fortgeschritten ist.
    Einen Puffer sollte man sich hierbei aber einrichten (mache ich jedenfalls immer UND MUSS IHN IMMER NUTZEN 😀 )

  5. jan
    23. September 2010 um 17:20 Uhr

    Kenn ich, aber ich muss auch zustimmen das es mitunter auch so passiert das man einfach warten muss bis der Kunde etwas liefert, ich habe zur zeit einen dem renne ich schon seit Februar hinterher und schickt mir immer noch nicht die klizekleine Korrektur zu den Visitenkarte.

    Andererseite habe ich das auch so gehandhabt videos kann ich mir nunmal ohne Ton nicht anschauen so habe ich keine Lautsprecherboxen oder Kopfhörer an meinen Arbeitsplatz das hilft schonmal enorm und das durchschweifen des netzes nehme ich mir in der Mittagspause vor oder wenn meine reguläre Arbeitszeit überschritten ist.

  6. Homepage Programmierung Webdesign
    23. September 2010 um 22:43 Uhr

    Netter Beitrag 🙂 Leider durch etwas “Ablenkung” darauf gestoßen aber jetzt gilt “Do your work! Don’t be stupid”

  7. Christian
    24. September 2010 um 13:59 Uhr

    Sign!
    Passiert mir leider zu oft.
    Meistens möchte ich “nur mal kurz” den Kopf frei bekommen, weil mal wieder irgendwas nicht klappt oder mir Ideen fehlen.
    Das Problem ist bei mir nur, dass ich im Grunde zwar viele Ideen finde, aber durch die ganze Informationsüberflutung meist genauso schlau wie vorher bin.
    Dazu kommt noch, dass ich manchmal unbewusst dazu neige bestimmte Sachen übernehmen zu wollen, anstatt selbst zu machen. Vielleicht liegts auch ein wenig daran, dass ich mir alles selbst beibringe und der Anfang daher etwas schwieriger ist. Hoffe jedenfalls, dass ab einem gewissen Grad des “in der Materie steckens” die Ablenkung nicht mehr so groß ist.
    Jedenfalls habe ich beschlossen, während des Arbeitens kein Twitter und Co. zu benutzen.

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