Sucht euch eure Kunden aus

  • von Lennart Prange

kunden_aussuchen Klar, viele sind in der Zeit der Wirtschaftskriese froh, wenn sie überhaupt Kunden haben. Deswegen erscheint dieser Artikel vielleicht zu einer schlechten Zeit. Da ich aber nicht weiß, wann diese Kriese beendet ist, veröffentliche ich diesen Beitrag trotzdem, in der Hoffnung, dass einige von euch noch nicht um ihre Existenz kämpfen müssen und es verkraften können, einen Auftrag auch mal abzulehnen.

Kommentare und Social Bookmarks würden mich sehr freuen. Viel Spaß mit dem Beitrag.

Es gibt verschiedene Arten von Kunden und ich vermute, dass fast jeder von euch schon einen schlechten Kunden erlebt hat. Ihr solltet versuchen schlechte Kunden von euch fern zu halten und euer Augenmerk auf gute Kunden legen. Sicherlich hat jeder von einem guten Kunden seine eigene Vorstellungen, aber ein paar grundlegende Merkmale lassen sich sicherlich festhalten.

Ein guter Kunde…

Bringt das nötige Budget mit, damit Ihr euren gestalterischen Fähigkeiten gerecht werden könnt

Ihr gestaltet eine Internetseite und das Ergebnis könnte eurer Meinung nach besser sein? Eure Ausrede ist, dass der Kunde nicht genug Geld bezahlt und ihr deswegen nicht die volle Leistung gebracht habt? Warum habt ihr den Auftrag dann angenommen? Das Endergebnis stellt keine gute Referenz da, lässt euch unprofessionell wirken und wird euch selber nerven. Ihr solltet von vorneherein wissen, wie teuer eure Leistungen sind. Wie viel Geld der Kunde zahlen muss, damit ihr eine gute Seite zustande bringt. Ihr solltet immer das Beste geben und natürlich dafür auch vernünftig bezahlt werden.

Setzt euch unter Druck kann aber auch kleinere Verzögerungen verkraften

Viele träumen bestimmt von dem Kunden, der einem alle Freiheiten gibt. Dem es egal ist, wann die Website fertig ist. Die haben einen solchen sicherlich Kunden noch nicht erlebt. Ein Kunde, dem alles egal ist, wird euch das Leben schwer machen. Allein weil viele ohne Druck ihre Arbeit immer weiter aufschieben. Zu streng sollte der Kunde aber auch nicht sein.

Traut eurem Urteil

Nichts ist nerviger als ein vernagelter Kunde mit verrückten Vorstellungen von gutem Design. Jeder Kunde sollte eurem professionellen Urteil trauen und ihr solltet, nebenbei gesagt, auch jeden Kunden versuchen professionell zu beraten.

Hat klare Vorstellungen

Hier begegnen wir wieder dem Problem mit den Freiheiten. Warum sind zu viele Freiheiten schlecht? Ganz einfaches Beispiel: Findet ihr es einfach eine Seite für euch selber zu gestalten? Natürlich nicht. Eigentlich kann keiner das richtig gut. Der Prozess dauert für gewöhnlich extrem lange und am Ende ist der Gestalter trotzdem nicht zufrieden.

Nun, was macht ihr mit diesem Wissen?

Ihr solltet versuchen Kunden zu erkennen, die diese Merkmale nicht mitbringen und euch dann ganz genau überlegen, ob diese Kunden die richtigen für euch sind.

Kosten/Nutzen

Klar, viele werden sagen: „Ich freue mich über jeden Kunden.“ Diese Freude kann sich aber schnell negativ auswirken. Schlechte Kunden verursachen häufig mehr Kosten als das sie Nutzen bringen. Es ist immer daran zu denken, dass Zeit Geld ist und angeblich verkürzt Stress auch die Lebenszeit. Also lasst lieber von schlechten Kunden ab und konzentriert euch auf die Guten. Eure Arbeit wird euch mehr Spaß machen, die Ergebnisse werden besser sein und langfristig werdet ihr wahrscheinlich auch mehr Erfolg haben.

Was ist für euch ein guter Kunde?

Und was haltet ihr von diesem Beitrag? Verlaufe ich mich total und gebe Ratschläge, die einen Webdesigner in den Untergang führen können? Oder denkt ihr wie ich, dass einem gute Menschenkenntnis und die damit verbundene Auswahl von guten Kunden überlebenswichtig sind?

Wichtig: Erhaltet euch das Recht vom Vertrag zurückzutreten. Habt ihr einen schlechten Kunden nicht erkannt und beginnt mit dem Auftrag, habt ihr natürlich große Probleme, wenn ihr in einem festes Vertragsverhältnis feststeckt. Ihr solltet euch immer die Möglichkeit erhalten, ein Projekt vorzeitig abzubrechen ohne mit Vertragsstrafen rechnen zu müssen. Es lohnt sich hier, sich mit dem Vertragsrecht zu beschäftigen und sich einen Anwalt zu suchen.

13 Kommentare

  1. Patrick L.
    22. März 2009 um 00:03 Uhr

    Das mit dem Druck ist echt gut. Bei mir ist immer das Problem, ich kann einfach nicht ohne Druck arbeiten. Das wird einfach nicht. Ich brauche diesen zeitlichen Druck. Auch wenn mir lange Fristen von 1 Monat oder ähnliches gesetzt werden…ich werde eh erst 2-3 Tage vorher anfangen. Aber vielleicht bekomme ich das noch auf die Reihe. 😛

    Aber auch echt guter Beitrag. 🙂

    Patrick L.s letzter Beitrag..Fonic Surfstick zu gewinnen – Beeilung!

  2. Lennart Prange
    22. März 2009 um 00:13 Uhr

    Danke.
    Tatsächlich haben wohl viele das Problem, dass sie ohne Druck nicht arbeiten können. Das erkennt man auch an der Tatsache, dass die Gestaltung der eigenen Homepage sich häufig über Monate hinzieht.
    Aber 1 Monat ist nicht unbedingt eine lange Frist. Naja, es kommt auch immer auf das Projekt an.

  3. NeX
    22. März 2009 um 09:35 Uhr

    Mensch Lennart, hast dich ganz schön gemausert :). Wo ich angefangen hab mit Kommentare schreiben, war hier noch tote Hose. Echt stark! Und deine Artikel werden immer besser, wie der hier 😉 1A.

  4. bulldrinker
    22. März 2009 um 10:33 Uhr

    Bevor man aber die Größe haben kann einen Kunden abzulehnen muss man sich schon einen großen Namen gemacht haben!

  5. pibo
    22. März 2009 um 13:01 Uhr

    Ich finde diesen Artikel durchaus Praxisrelevant kann Dir in jedem Punkt zustimmen. Es ist auch eine Arbeitsweise nach der ich mich schon seit Jahren orientiere.

  6. Lennart Prange
    22. März 2009 um 16:02 Uhr

    @NeX: Danke! Schön dich hier mal wieder zu sehen.

  7. Bernd Artmüller
    23. März 2009 um 19:07 Uhr

    Echt super Artikel den du da geschrieben hast. Ich kann ohne Druck auch nicht richtig arbeiten. Und es nervt mich auch, wenn Kunden glauben, etwas vom designen zu verstehen und sich überall einmischen

    lg

  8. Michael Geissler
    25. März 2009 um 16:12 Uhr

    2x Kriese statt Krise geschrieben, ansonsten guter Artikel, wenn gleich nichts neues drin steht 😉

    Gruß

    Michael Geisslers letzter Beitrag..Frühlingsbeginn #2

  9. Michael
    1. April 2009 um 22:32 Uhr

    Was mich extrem stört sind Kunden, die es nicht auf die Reihe bekommen, Inhate für ihre Website zusammen zu stellen. Die meinen man macht alles – daß sie selbst auch ein bisschen was dazu beitragen müssen ist vielen nicht klar. Ich bin schon seit 2 und mehr Monaten fertig und der Kunde schafft es einfach nicht mir sein Passfoto und ein paar Zeilen Text zu liefern. Man kann einfach das Projekt nicht richtig abschließen und auch abrechnen.

    Deshalb will ich, ab jetzt in neue Angebote, folgendes schreiben:

    “Werden alle benötigten Inhalte (Text, Bildmaterial, …) innerhalb von 6 Wochen ab Beauftragung geliefert, wird ein Rabatt von X% gewährt.”

    “Werden alle benötigten Inhalte (Text, Bildmaterial, …) nicht innerhalb von 12 Wochen ab Beauftragung geliefert, wird der bis dahin geleisteter Aufwand abgerechnet.”

    So gibt es für den Kunden einen geldwerten Vorteil schnell zu liefern und für mich eine Absicherung wenn es versandet. Da rechne ich z.B. 50% ab und gut.

    Was haltet ihr davon?

  10. Frank Schäfer
    2. April 2009 um 11:00 Uhr

    “…damit Ihr euren gestalterischen Fähigkeiten gerecht werden könnt”

    Das halte ich für den falschen Ansatz. Da sind viele “Webdesigner” (den Begriff mag ich nicht sonderlich) zu narzisstisch. Design ist doch kein Selbstzweck sondern an einer Sache orientiert. Es müsste mMn also heißen:

    “Damit Ihr den Bedürfnissen des Kunden gerecht werden könnt”

    Ich unterscheide auch nicht zwischen guten und schlechten Kunden, sondern nur nach deren Zuverlässigkeit. Was vereinbart ist (auch wenns wenig ist) sollte pünktlich bezahlt werden. Man muss ja auch nicht jedes Projekt in die Referenzen stellen.

    @Michael: ich mache einen detaillierten Projektplan (bin ich als ehemaliger Systemadmin halt so gewohnt) mit zeitlich festgelegten Meilensteinen und stelle dort auch die vereinbarte Bringschuld des Auftraggebers klar. So ein Rahmen macht auch dem Kunden Druck, das Projekt wie geplant erfolgreich zu beenden.

    Was ich aber tatsächlich unterstüze ist die These, dass nicht jeder Kunde zu jedem Dienstleister passt. Das lernt man aber wohl nur mit der Ziet durch negative Erfahrungen.

  11. Saboteur
    14. Mai 2009 um 17:24 Uhr

    Sehr gute Beitrag!

    Leider bin ich vor kurzem an einem Kunden geraten, der langsam zu viel verlangt… Beispiel: Ich bin ein Mechaniker der ihm ein Radio einbauen soll, Radio eingebaut. Jetzt will er Pedalen und Sonstiges dazu- Natürlich ohne weitere Kosten. Und egal wie ich Ihm das klar mache, fängt er an nach Fehlern zu suchen die nicht von meiner Leistung und dem preislich vereeinbarten abhängen….

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