Weiterentwicklung durch Auswertung

  • von Lennart Prange

DSC00039.jpgMal wieder ein Projekt beendet und zu den Akten gelegt? Viele Webdesigner schließen zu schnell mit ihren Projekten ab. Das Thema hatten wir schon öfters. Hält man Kontakt zum Kunden, hat man eine Chance auf Folgeaufträge usw. Aber darum soll es in diesem Beitrag nicht gehen.

Nach jedem Projekt sollte eine gute Auswertung des Projektablaufs und des Endergebnisses erstellt werden. Fehler erkennt man häufig erst, wenn man das Ganze schon länger hinter sich hat. Deswegen können ruhig immer ein bis zwei Wochen zwischen der Auswertung und dem Projektabschluss liegen. Der Grund für die Auswertung? Natürlich: Weiterentwicklung.

Kommentare und Social Bookmarks würden mich sehr freuen. Viel Spaß mit dem Beitrag.Der beste Weg, um seine eigenen Leistungen zu verbessern, was unerlässlich ist, ist eigene Fehler einzusehen und sich selber zu kritisieren. Es ist immer gut, wenn man Meinungen und Hilfen von anderen bekommt, aber letztendlich muss man selber von der Kritik überzeugt sein. Und das ist vor allem der Fall, wenn man sich selber niedermacht (ich weiß, dass Wort ist zu heftig; Übertreibung ist ein Stilmittel;) ) Man muss natürlich auch versuchen mit sich zufrieden zu sein und darf niemals alles schlecht finden. Positives zu erkennen ist genauso wichtig, wie Fehler auszumachen.

Kommen wir zurück zur Weiterentwicklung. Selbstkritik ist der erste Weg zur Besserung, Selbstkritik ist der beste Weg zur Besserung, Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung usw. sind alles Sprichwörter bzw. Weisheiten (mhm, in diesem Satz sind zu viele Abkürzungen), an denen was Wahres dran ist. Natürlich, viele von euch werden sagen, dass ich nichts Neues erzähle. Tu ich auch nicht, aber nehmt ihr die Selbstkritik wirklich ernst?

Der Projektabschluss ist häufig ein schöner Moment für den Webdesigner: Geld auf dem Konto, einen Kunden los, der eh nur die Seite von der Konkurrenz haben wollte und endlich die Vielfältigkeit des Jobs wieder genießen und sich auf etwas Neues stürzen. Alles in Ordnung, aber eine Auswertung des alten Projektes muss auf jeden Fall folgen.

Warum eine Auswertung?

Wer die Frage wirklich stellt, hat nicht aufmerksam genug gelesen. Trotzdem noch mal auf den Punkt gebracht: Man soll sich selber kritisieren und eigene Fehler einsehen, um sich weiterzuentwickeln.

Was muss ausgewertet werden?

Ich denke, dass man von sechs Kernbereichen sprechen kann, die auf jeden Fall ausgewertet werden müssen. Vielleicht fallen euch noch ein paar mehr ein. Ich bin mir sogar fast sicher, dass ihr noch ein paar zu ergänzen habt.

  • Kommunikation – Wie war die Verständigung mit allen Beteiligten, insbesondere dem Kunden, während des Projektes? Sind Missverständnisse entstanden? Wenn ja, welche? Wo hat der Kunde etwas überhaupt nicht mehr begriffen?
    Hinterfragt wirklich alles ganz gründlich. Fehler sollten höchstens einmal passieren. Schlechte Kommunikation ist ein Hauptgrund für das Scheitern eines Projekts und viele Webdesigner unterschätzen die Notwendigkeit von verbalen Fähigkeiten.
  • Endergebnis – Wie gefällt euch selber das Endergebnis? Nach zwei Wochen fallen euch bestimmt Sachen auf, die man hätte besser machen können. Dinge, die nicht perfekt sind. Jedes Webdesign ist sehr vielfältig und bietet Raum für unzählige Fehlerquellen. Vielleicht wurde zu wenig White Space verwendet. Vielleicht hätte man an der Navigationsstruktur noch etwas besser machen können, sodass den Nutzern ein Klick erspart geblieben wäre.
  • Kundenzufriedenheit – Ihr solltet auch den Kunden nach dem Projekt wenigstens um eine kurze Stellungnahme zu der Zusammenarbeit bitten. Ihr solltet euch dann aber nicht rechtfertigen sondern die Kritik mit einem “danke” annehmen. Diese Kritik solltet ihr dann gründlichst verinnerlichen und daraufhin wieder euch selber hinterfragen. Stimmt es, was der Kunde gesagt hat? Könnten andere Kunden genau so ein Problem haben?
  • Workflow – Wart ihr Produktiv? Ist alles möglichst (fast nie läuft wirklich alles glatt) gut gelaufen? Wo habt ihr Zeit vertrödelt und wo könntet ihr den Workflow optimieren? Seid ihr an Kompetenzgrenzen gestoßen, die euch viel Zeit gekostet haben?
  • Kosten/Nutzen – Habt ihr wirklich genug Geld für eure Leistung genommen? Wie sahen die Kosten für euch aus? Wie hoch war euer Stundenlohn (falls ihr mit Pauschalpreisen arbeitet)?
  • Planung – Wie habt ihr selber das Ganze geplant? War eure Zeiteinschätzung ziemlich genau? Habt ihr die materiellen Kosten im Voraus richtig eingeschätzt?

Ihr seid ganz bestimmt nicht mit allen Dingen zufrieden. Das kann nicht sein. Nun, ihr habt jetzt wahrscheinlich mehrere Fehler entdeckt. Das ist die halbe Miete. Soll das Ganze aber wirklich etwas bringen, muss man die Ergebnisse auch verinnerlichen. Es ist immer das eine, einen Fehler zu entdecken. Etwas völlig anderes ist es aber, ihn nicht wieder zu machen.

Ein Beispiel: Ich habe das Wort “Krise” immer falsch geschrieben (Kriese). Ich weiß nicht, wie häufig mir dieser Fehler passiert ist. Jedenfalls war es oft genug. Irgendwann hat jemand das mal in den Kommentaren von einem Beitrag erwähnt. Seitdem denke ich jedesmal, wenn ich das Wort Krise schreibe, daran, das Wort nicht mit ie zu schreiben. Es klappt meistens.

Also: Fehler entdecken, Fehler merken und Fehler nie wieder machen.

8 Kommentare

  1. NeX
    25. April 2009 um 11:37 Uhr

    Sehr schöner Artikel. 🙂

  2. Lennart Prange
    25. April 2009 um 12:21 Uhr

    Danke!

  3. Timo
    25. April 2009 um 12:48 Uhr

    Hallihallo,

    was ich auch immer wieder feststelle bei der Kommunikation: Bei Fehlern wird viel zu häufig nicht geredet. In Unternehmen zum Beispiel möchte ja niemand seine Fehler eingestehen. Das ist sehr schade, denn der nächste, vielleicht neue Mitarbeiter, macht dann genau die gleichen Dinge wieder falsch. Für solche Fälle finde ich interne Wikis super, zu jedem Kunde kann da etwas angelegt werden. Dinge, auf die geachtet werden müssen.

  4. Kevin
    16. Mai 2009 um 22:31 Uhr

    Schöner Artikel, schönes Redesign. Vielleicht kannst Du demnächst mal eine Auswertungen über die Entwicklung der Anzahl deiner Feedleser geben?

    • Lennart Prange
      18. Mai 2009 um 19:55 Uhr

      Was genau interessiert dich an meinen Feedlesern? Langzeitauswertung? Veränderung nach dem Redesign?

      • Kevin
        19. Mai 2009 um 11:03 Uhr

        Ja, genau sowas. Wenn Du das allerdings nicht preisgeben möchtest, ok.

      • Lennart Prange
        19. Mai 2009 um 11:37 Uhr

        Artikel erscheint in den nächsten Tagen.

  5. Kevin
    18. Mai 2009 um 19:48 Uhr

    Haaaallo…